Französische Filmwoche Berlin : Hits und Perlen

Die Französische Filmwoche Berlin präsentiert neue Großproduktionen und feine Geheimtipps des frankophonen Kinos.

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"Ich hätte heute nicht kommen sollen". Das Mädchen (Naomie Vogt-Roby) liest die Nachricht des Jungen auf ihrem Handy.
"Ich hätte heute nicht kommen sollen". Das Mädchen (Naomie Vogt-Roby) liest die Nachricht des Jungen auf ihrem Handy.Foto: P'Artisan Filmproduktion/dpa

Französisches Kino heute? Das sind zumeist die möglichst besten Freunde der klingenden Kassen, die seit ein paar Jahren nahezu wöchentlich auf die hiesigen Startlisten drängeln – und zur hilfsweisen Befeuerung ihres Dauererfolgs gibt’s alljährlich im Dezember die Französische Filmwoche Berlin. An diesem Mittwoch beginnt sie, mit dem Jacques-Yves-Cousteau-Biopic „L’Odyssée“ (deutscher Titel: Jacques - Entdecker der Ozeane) von Jérôme Salle, im Kino International und wandert dann mit 16 frankophonen Titeln standesgemäß ins Cinema Paris. Exakt die Hälfte davon, begleitet von Regisseuren (darunter die Dardenne-Brüder und Bruno Dumont) und Schauspielern (Lambert Wilson, Dany Boon), kommt bereits bis Ende Januar ins Kino.

Abseits der flotten Startrampe am Ku’damm-Boulevard, formal jedoch Teil der großen Sause, zeigt das Arsenal-Kino im Filmhaus am Potsdamer Platz vom 2. bis 7. Dezember fünf neuere Produktionen (ohne deutschen Verleih), die junge Filmemacher jeweils erstmals in Cannes präsentierten. Da gibt es Emilie Brisavoines hübsch derangierte Chaosfamiliengeschichte „Pauline s’arrache“ und Olivier Babinets „Swagger“, eine sensible Doku über Fast-noch-Kinder in der Banlieue, die vor der Kamera von ihren Ängsten und Träumen sprechen. Oder „La fille et le fleuve“ von Aurélia Georges, die Romanze zweier Grenzgänger zwischen Leben und Tod.

"Le parc"? Hingehen!

Und es gibt „Le parc“ von Damien Manivel: Derart zart Minimalistisches, zudem mit unbekannten Darstellern, hat kaum je eine Chance im Kino, und exakt deshalb lohnt hier ein feiner Pilgergang – nebenbei auch zu den Wurzeln des großen französischen Kinos, das gerade fernab von populären Pointen und glatten Plots seine unverwechselbare Wirkung entfaltet. Ein erster Nachmittag zweier Teenager (Naomie Vogt-Roby und Maxime Bachellerie) in einem weitläufigen sommerlichen Park, Spazierengehen, verlegenes Reden, viel Schweigen, kleine Abwege suchen, bisschen Balgen, ein erster Kuss im Gehölz. Dann bricht der Junge auf, das Mädchen sieht dem vergehenden Tag hinterher, bevor ein zögernder, trauriger Handy-Chat alles Hinterherträumen zunichtemacht und eine sehr seltsame Nacht beginnt. Gefühlt fünf Minuten zeigt die Kamera das Gesicht des Mädchens in immer tieferer Dämmerung; und keine Minute zu viel.

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