Französischen Filmwoche Berlin : Kleine Welt

Zum Auftakt der Französischen Filmwoche Berlin. Eröffnungsfilme lassen sich meist produktiver unter diplomatischen als unter artistischen Aspekten betrachten.

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Schließlich geht es vor allem darum, die Gäste positiv auf die nahe (Sektempfang) und fernere (weitere Zusammenarbeit) Zukunft einzustimmen. So ist es fast naturgegeben, dass zum Auftakt der Französischen Filmwoche am Mittwochabend mit Bruno Chiches „Small World“ eine deutsch-französische Koproduktion auf die Leinwand kommt, die außer einer millionenfach verkauften Romanvorlage und deutsch-französischem Produktionsteam auch Festivalpatin Alexandra Maria Lara sowie Gérard Depardieu auf der Darstellerliste vorweisen kann.

Zehn Jahre wird die Filmwoche alt, doch bei genauerer Sichtung des Programms ist die Feierlaune schnell gedämpft. Nicht nur, dass die Zahl der gezeigten Filme von zuletzt 21 auf ein Dutzend geschrumpft ist. Die Auswahl beschränkt sich außerdem auf Filme, die in in den nächsten Wochen ohnehin in Berlin starten, allein fünf (neben „Small World“ noch „Plein Sud“, „Von Menschen und Göttern“, „Vergissmeinnicht“ und „La Danse“) im Dezember. Das ist nicht nur eine Kapitulation vor der Verleihpolitik, sondern beschleunigt auch eine Entwicklung, die die von der Französischen Botschaft und dem Institut Français mit der Yorck-Gruppe und der Filmexportorganisation Unifrance veranstaltete Reihe sukzessive von einem Forum für frankophile Cineasten auf eine Preview-Schau zu Werbezwecken reduziert. 2009 wurde zudem das dem Institut Français angegliederte Bureau du Cinéma abgewickelt.

Programm-Koordinatorin Nathalie von Bernstorff geht in die Vorneverteidigung und begründet die Beschränkung auf „zehn exklusive Berlin-Premieren“ plus zwei Überraschungsfilme mit dem Jubiläum (zehn Jahre, zehn Filme) und einer Fokussierung, die es dem Publikum leichter machen soll, einzelne Filme wahrzunehmen. Schöne Worte. Tatsächlich fehlt diesmal genau das, was das kleine Festival bisher auszeichnete: die Möglichkeit, sich einmal im Jahr gesammelt auch über jene Filme zu informieren, die keinen Verleih gefunden haben, über rand- oder querständige Werke.

So lässt sich aus dem Angebot der Filmwoche kaum Generelles über den aktuellen französischen Kino-Jahrgang sagen. Die Highlights der Reihe: Neben Xavier Beauvois’ Mönchsdrama „Von Menschen und Göttern“, der die besten Chancen auf den Europäischen Filmpreis am bevorstehenden Wochenende hat, zählt Géraldine Bajards „La Lisière“ dazu, der mit raffinierten Mitteln eine bürgerliche Retortensiedlung als unheimlichen Ort inszeniert. In Michel Hazanavicius’ Bond-Parodie „OSS 117: Rio ne repond plus“ gibt Rüdiger Vogler einen vom Mossad gejagten Obernazi. Der Film ist herrlich undiplomatisch und kommt als einziger des Programms nicht demnächst ins Kino – weil er aus dem vergangenen Jahr stammt und ohnehin bereits auf DVD erhältlich ist. Ansonsten hoffen wir, dass sich nach überstandenem Jubiläum die Zahl und auch die Auswahl der Filme langsam wieder erweitert. Silvia Hallensleben

Infos: www.franzoesische-filmwoche.de

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