Französischer Pianist : Siemens Musikpreis für Pierre-Laurent Aimard

Der mit 250.000 Euro dotierte Ernst von Siemens Musikpreis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen der klassischen Musik. Dieses Jahr geht er an den französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard.

Der Pianist Pierre-Laurent Aimard, der in diesem Jahr den mit 250 000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis erhält.
Der Pianist Pierre-Laurent Aimard, der in diesem Jahr den mit 250 000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis erhält.Foto: Manu Theobald/Siemens Musikstiftung/dpa

Wie es Pierre-Laurent Aimard privat mit dem Aufstehen hält, ist nicht bekannt. Als Künstler jedenfalls ist er definitiv kein Morgen-Muffel. Was Komponisten künftig noch alles für sein Instrument erfinden werden, interessiert den Pianisten brennend. Und selbst wenn er sich Partituren von gestern vornimmt, befragt er sie so lange, bis sie ihm etwas für heute zu sagen haben. Diese „grenzenlose Entdeckerfreude“ des Franzosen wird nun mit dem Ernst von Siemens Musikpreis belohnt, der wichtigsten und zudem mit 250 000 Euro fürstlich dotierten Auszeichnung im Bereich der klassischen Musik.

Einen Meister „des Lichts und der Farben“ ehrt die Stiftung, „der alles, was er spielt, klar und lebendig werden lässt“. Ästhetische Offenheit paart sich bei Pierre-Laurent Aimard nämlich mit einem geradezu cartesianischen Ordnungssinn. Erst innerhalb eine klaren Systems, findet er, könne die Musik zu atmen beginnen.

Er verfiel nie ins reine Neue-Musik-Spezialistentum

Aufgewachsen ist der 1957 in Lyon Geborene mit den Werken von Olivier Messiaen: Schon im Alter von 12 Jahren nahmen sich der Komponist und seine Frau Yvonne Loriod des Hochbegabten an, prägten seinen Zugang zur Musik nachhaltig. Später gehörte Pierre-Laurent zu den Mitbegründern des ganz auf Zeitgenössisches spezialisierten Pariser Ensembles Intercontemporain, arbeitete eng mit Pierre Boulez und György Ligeti zusammen. Dennoch verfiel er nie ins reine Neue-Musik-Spezialistentum, machte sich parallel auch als Interpret des klassischen Repertoires einen Namen, spielte Klavierkonzerte von Mozart mit dem Chamber Orchestra of Europe ein sowie Beethovens Beiträge zu der Gattung unter der Leitung des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt. Zudem veröffentlichte er sehr persönliche Deutungen von Solowerken Bachs, Liszts und Debussys.

Konzert in Berlin am 28. April

So wie einst Baden-Baden für seinen Landsmann Pierre Boulez zur Wahlheimat wurde, ist Pierre-Laurent ebenfalls einen intensive Beziehung mit einer deutschen Stadt eingegangen: mit Berlin. In der Saison 2006/07 war er „pianist in residence“ der Philharmoniker, das Jahr 2014 nutzte er für ein musikalisches Sabbatical, um als Fellow des hiesigen Wissenschaftskollegs in die Gedankenwelten von Naturwissenschaftlern einzutauchen. Aber auch privat wohnt er hier seit langem.

Ein typischer, das Publikum zum Mit- und Nachdenken anregender Abend wird sein nächster Berlin-Auftritt werden: Am 28. April gestaltet er zusammen mit Alfred Brendel ein late-night-Programm im Konzerthaus am Gendarmenmarkt: Aimard spielt dann Stücke von Ligeti und Kurtag, sein emeritierter Pianistenkollege wird selbst verfertigte Gedicht rezitieren.

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