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Französischer Regisseur im Alter von 91 Jahren gestorben : Alain Resnais: Ein Bastler, der mit dem Kino spielte

Alain Resnais wurde mit „Hiroshima, mon Amour“ und „Letztes Jahr in Marienbad“ berühmt. Mit seinem Tod im Alter von 91 Jahren verliert die Kinowelt einen der größten Autorenfilmer.

Der französische Regisseur Alain Resnais.
Der französische Regisseur Alain Resnais.Foto: AFP

Verwirrungen, komplizierte Intrigen und das Spiel im Spiel: Seine Experimentierfreudigkeit ließ Alain Resnais zum Großmeister des französischen Autorenfilms werden. „Mich interessiert, ob man dies und jenes auch im Kino zeigen kann. Ich suche immer nach etwas Neuem“, erklärte der Bretone aus Vannes. Auf der Berlinale zeigte er vor wenigen Wochen „Aimer, boire et chanter“ - seinen jüngsten und letzten Film. Mit 91 Jahren ist der „Bastler, der mit dem Kino spielt“ am Samstag in Paris im Kreis seiner Familie gestorben.

Der Produzent Jean-Louis Livi hat am Sonntag die Todesnachricht bekanntgegeben. Er hat die letzten Filme Resnais' mitfinanziert, darunter auch „Aimer, boire et chanter“ (Lieben, Trinken und Singen).
Die Geschichte handelt von drei Ehepaaren, deren jeweils weiblicher Teil ein Theaterstück probt. Während der Proben erfahren sie von der unheilbaren Krebserkrankung eines gewissen George. Der Film erhielt bei der Berlinale im Februar den Alfred-Bauer-Preis - in Abwesenheit des Regisseurs.

Ruf als Experimentalist und intellektueller Filmemacher

Vom Theater im Theater handelt auch sein in Cannes 2012 gezeigter Film „Ihr werdet euch noch wundern“. In dem Drama überlagern sich verschiedene Realitäts- und Fiktionsebenen. Resnais drehte anspruchsvolle und intellektuelle Filme, deren Ästhetik sie dennoch zu einem Kinovergnügen werden ließ.

Zu seinem Ruf als Experimentalist und intellektueller Filmemacher ist er vor allem in den 60er Jahren gekommen. In dem Science-Fiction- Film „Je t'aime, je t'aime“ verwirrte er Frankreichs Publikum und Fachpresse bereits mit seinem komplizierten Spiel mit Zeit- und Realitätsebenen, und in „Provence“ von 1976 konfrontierte er die Zuschauer mit dem Sterben und den Fantasien eines kranken Schriftstellers. Er selbst jedoch lehnte diesen Ruf stets ab. Er sah sich als Anstifter, Lenker, Verbinder von Teilen, als der große „Monteur“.

Je älter der Mitbegründer der französischen Nouvelle Vague wurde, desto grotesker und verrückter wurden seine Filme. Mit seinen strukturalistischen Gedankengängen führt er den Zuschauer an den Abgrund der Komik. In seinem jüngsten Opus „Das Leben ist ein Chanson“ (On connait la chanson) wechseln die Schauspieler zwischen Dialogen und Playback. Sie singen im Originalton die Chansons von Charles Aznavour, Edith Piaf und Johnny Hallyday. Für diese originelle und geniale Gesellschaftskomödie über die heile Welt der Lieder und die Wunden des Lebens erhielt Resnais 1998 gleich sieben „Césars“, darunter den für den besten Film des Jahres.

Mit 13 drehte er seinen ersten 8-Millimeter-Streifen

Resnais wurde als Filmemacher geboren. Mit 13 Jahren drehte er seinen ersten 8-Millimeter-Streifen, zwischen 1946 und 1947 stieg er dann auf 16 Millimeter um und konzentrierte sich auf Dokumentarfilme über Maler wie van Gogh und Gauguin und über Kunstthemen wie den Verfall der afrikanische Kunst. Als berühmtester Dokumentarfilm gilt seine Studie über die Pariser Nationalbibliothek „Toute la mémoire du monde“ (Das ganze Gedächtnis der Welt).

Als Spielfilmregisseur debütierte Resnais mit „Hiroshima, mon amour“ nach einem Drehbuch von Marguerite Duras. Dieser Film über das Grauen nach dem Abwurf der Atombombe ist zu einem Kultfilm geworden wie auch „Letztes Jahr in Marienbad“. Für diesen in den Schlössern Nymphenburg und Schleißheim sowie in der Münchner Residenz gedrehten Film schrieb der verstorbene „Neue-Roman“-Autor Alain Robbe-Grillet das Drehbuch. Mit diesem gewagt surrealistischen Oeuvre gewann Resnais 1961 den Goldenen Löwen des Festivals in Venedig. (dpa)

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