Kultur : "Frau2 sucht Happy End": Tappen und tippen

Julian Hanich

Herzallerliebst: die Liebe! Sturzallertiefst: die Großstadt! Entfremdung! Einsamkeit! Herbst bläst durch Berlin. Ungeliebte treiben durch die Stadt wie vom Winde verwehte Plastiktüten. "Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben", schluchzte Rilke. Ach, Welt.

Gregor (Ben Becker) ist Radiomoderator. Er spielt traurige Platten, trinkt und weint seiner Ex hinterher (Sabrina Setlur in einem Kurzauftritt). Mai (Isabella Parkinson) liebt den Freund ihrer Mitbewohnerin und kommt nicht an ihn ran. Ben und Mai sind also geschaffen füreinander. Mit den Chat-Namen Frau2 und HappyEnd tappen und tippen sie einander via Internet entgegen.

Aber außerhalb der virtuellen Welt? Sie sind Nostalgiker, die sich mit Handschellen an Erinnerungen fesseln - an Melodien, vertane Chancen und Phantasien. Regisseur Edward Berger ("Gomez - Kopf oder Zahl") macht arg deutlich, wie schwer dabei wahre Menschennähe zustande kommt. Kommunikation findet fast ausschließlich statt über Telefon und Anrufbeantworter, Radio und Internet, per Brief oder Lautsprecher.

"Frau2 sucht HappyEnd" ist außerdem ein Berlin-Melodram. Kameramann Gero Steffen hat ungewohnte Blickwinkel und Farben gefunden; er läßt Berlin leuchten in Cinemascope. Und Michael Gwisdek hat wieder mal einen erzberliner Auftritt. Auch so ein Einsamer übrigens. Natürlich schwelgt der Film in den Gefühlsexzessen des Genres. Wie ein Saft-Maschine versucht er die Tränen aus uns herauszupressen. Aber das ist schon okay so. Berger wurde in Amerika ausgebildet - und womöglich muss man dort gelernt haben, um ein derart rührendes deutsches Melodram zu drehen.

"Wenn man den ganzen Zauber bloß nicht durchschaut hätte", sagt Gregor einmal. Aber die Kunst des Melodrams liegt genau darin, den Gefühlsschwindel des Kinos eben für zwei Stunden vergessen zu machen. Manchmal wird die Symbolik etwas zu aufdringlich, manchmal sind die Verwicklungen zu umständlich. Aber über weite Strecken ist "Frau2 sucht HappyEnd" schlicht ein Film, der unsere im Winter erkalteten Seelen wärmt.

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