Kultur : Frauen ohne Schatten

Eine

Gut getaktet: Für die Spielzeiteröffnung hat sich die Deutsche Oper Berlin etwas Feinsinniges ausgedacht. Kirsten Harms, die Intendantin, inszeniert „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss. Es ist eine ihrer Lieblingsopern – damals in Kiel ihr großer Durchbruch. Spannend wird das werden. Am Premierenabend steht nicht nur Kirsten Harms im Mittelpunkt, sondern auch noch eine andere Frau, die auf Vertragsverlängerung hofft: Angela Merkel. Der lange Schatten der Bundestagswahl fällt am 27. September auf die Bismarckstraße, Politik und Kultur mischen sich in den Foyers, wo man in den Pausen die neuesten Hochrechnungen ventilieren kann. Welchen Schattenmann wird sich die Kanzlerin zulegen, einen gelben oder doch wieder den roten?

Hofmannsthals märchenhaftes Libretto dreht sich um Paare, die sich finden oder verfehlen, um Liebe und Verzicht und auch ein bisschen Krieg im Hintergrund. „Gib dich sanft und festlich, du Süße, und erschüttere den, der selig wird durch dich, mit deinen zarten Händen – wie du eine Harfe erschütterst –, dann ist die Erschütterung von dir genommen, und was du empfängst, ist die Musik. – Zittere nicht, denn was wird aus dem Tempel, wenn die Priesterin zittert! Wirf dich in den Abgrund, aber nur weil unten die goldene Treppe ist, die zu den Sternen führt“, heißt es in den Aufzeichnungen des Dichters.Wohlan!

Schlecht getaktet: Auf die Frage, ob Kirsten Harms gehen muss oder doch noch ein paar Jahre bleibt, will die Berliner Kulturpolitik partout keine Antwort finden. Nachfolgekandidaten treten nicht aus dem Schatten. Die Situation wird unzumutbar: für die amtierende Intendantin, für das Haus, für eine neue Leitung. Eine Bundestagswahl ist ein Klacks dagegen.

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