Kultur : Frauenklang

Berliner Festwochen: Saariahos „From the Grammar of Dreams“

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Die Frage, was Musiktheater sei, lässt sich recht banal beantworten: Theater mit Musik. Menschen singen und spielen, meist in einer Art Guckkasten, während andere Menschen zuschauen und/oder -hören. Diese Kriterien trafen ohne Zweifel auch auf Kaija Saariahos „The Grammar of Dreams“ im Haus der Berliner Festspiele zu, der Verschmelzung von fünf Kammermusikwerken der finnischen Komponistin zu einem „visualisierten Konzert“: Eine Sopranistin, eine Harfenistin, eine Flötistin und eine Cellistin (Pia Freund, Ulrike von Meier, Eva Tigerstedt und Kati Raitinen) schlüpfen in golddurchwirkte Hosen und Blusen und bedienen ihre Instrumente, indem sie abwechselnd ein orangerot ausgeschlagenes Bühnenpodest besteigen, verspiegelte Notenständer hin und her tragen und sich ansonsten darum bemühen, dass ihren Blitzmädel-Frisuren kein Haar gekrümmt wird (Regie Paula Tuovinen). Dazu erklingen, nur bedingt verständlich und von der Komponistin bisweilen eigenhändig elektronisch verstärkt, Texte von Apollinaire, Hölderlin, Sylvia Plath und Jaufré Rudel. Und gegen Ende der knapp 70 Minuten, ach ja, da runden ein paar hübsche, blumige Lichtprojektionen das Ganze ab.

Dass man erst nach eingehenden Programmheft-Studien begreift, um was es hier gehen könnte, nämlich um kompositorische Strukturprobleme, die Saariaho spätestens seit ihrer bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Oper „L’Lamour de loin“ wälzt, ist das eine; das zweite ist die unerhörte Betulichkeit und Stille, die gähnende Langeweile dieser Musik, die es sich schon nach zehn Minuten zwischen sphärischem Rauschen, vokalen Echo-Effekten, Harfenglissandi und stotternden Flötentönen bequem gemacht hat; das dritte aber ist, wie gesagt, das Etikett, das die Festwochen dieser studentisch anmutenden Koproduktion mit dem Helsinki Festival und der Deutschen Oper Berlin verpassen: Dass Musiktheater so wenig Theater, so wenig Drama bedeutet, das hätten wir uns lieber nicht träumen lassen. Christine Lemke-Matwey

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