Kultur : Frauenzimmer

Vorbesichtigung 2: Bassenge und Lempertz in Berlin

Michaela Nolte

Mit den Vorbesichtigungen der Berliner Auktionshäuser Bassenge und Villa Grisebach sowie in der Repräsentanz des Kölner Kunsthauses Lempertz startet an diesem Wochenende die heiße Phase des Auktionsherbstes in Deutschland. Rund 690 Lose umfasst die Moderne Kunst bei Lempertz, zu deren ausgewählten Werken Paul Klees früher „Pfeil und Trichter“ zählt (Taxe 400 000 - 600 000 Euro) sowie Max Liebermanns 1903 entstandene „Jungen nach dem Bade“ (Taxe 200 000 - 220 000 Euro). Die Auktion mit Zeitgenössischer Kunst bietet wichtige Vertreter des Informell sowie zwei „Concetti Spaziali“ von Lucio Fontana (Taxe je 130 000 - 150 000). Hauptlos ist in diesem Segment Gerhard Richters „Teyde-Landschaft“ (Taxe 250 000 Euro) von 1971.

Hervorragend ist bei Bassenge traditionell die Druckgrafik: Der Sonderkatalog brilliert mit einem Kupferstich nach Hieronymus Bosch sowie einer Lithografie von Karl Friedrich Schinkel. Das Original von Boschs turbulenter „Kreuztragung“ ging im 16. Jahrhundert verloren und ist in der Fassung des Kupferstechers Hieronymus Cock auf 30 000 Euro taxiert. Für Schinkels „Gotische Kirche im Eichenhain“ von 1810 wird ein Preis von 20 000 Euro erwartet. Aus der gleichen Sammlung stammen ein Kupferstich mit dem Konterfei Martin Luthers von Lucas Cranach d. Ä. (Taxe 15 000 Euro) sowie Antonio Fantuzzis Radierung „Das Opfer“ nach Rosso Fiorentino für 12 000 Euro. Zu den rund 1100 Losen, die Bassenge am Freitag mit Kunst des 15. bis 19. Jahrhunderts aufruft, gehören Raritäten wie die Nürnberger Gebet- und Gesanghandschrift, die zwischen 1425 und 1450 entstanden ist (Taxe 9000 Euro). Rembrandts kleines „Selbstbildnis mit Saskia“ ist mit geschätzten 15 000 Euro die kostspieligste von 25 Radierungen des Meisters.

Ebenso umfangreich sind die Offerten mit Kunst des 20. Jahrhunderts, die größtenteils im mittleren Preissegment bleiben. Spitzenreiter ist Carl Hofers „Frauenzimmer“ von 1950 bei einer Taxe von 50 000 Euro. Dicht folgt ein Holzschnitt von Ernst Ludwig Kirchner, der den Kunsthändler Ludwig Schames zeigt (Taxe 48 000 Euro). Neben Werken der klassischen Moderne von Otto Dix (Taxen bis 9000 Euro) bis Karl Schmidt-Rottluff (Taxen bis 22 000 Euro) gibt es deutsche Nachkriegskunst unter anderem von Willi Baumeister, dessen Farbserigraphie eines Montaru auf 9000 Euro geschätzt ist.

Eine Woche später kommen bei Bassenge Freunde der Pionierzeit der Fotografie auf ihre Kosten. Rund 100 Lose aus dem 19. Jahrhundert werden von einem Konvolut mit Daguerreotypien des Sammlers Uwe Scheid bereichert. Die um 1850 entstandenen Kinderbildnisse sind mit 200 bis 750 Euro beziffert, ein Doppelporträt mit 3000 Euro. Mit nur 500 Euro wird eine faszinierende „Baumstudie“ aus den 1870er-Jahren aufgerufen. Auf der Preisskala steht dem ein Sonnenaufgang von Ansel Adams gegenüber, der 1948 in Alaska aufgenommen wurde (Taxe 15 000 Euro). Bei den Zeitgenossen ist die Becher-Schule mit Werken von Axel Hütte, Andreas Gursky sowie Thomas Struth zu moderaten Schätzpreisen zwischen 600 und 5000 Euro vertreten.

Kunsthaus Lempertz, Linienstraße 153, Vorbesichtigung bis 24. November, 11-17 Uhr. Auktionshaus Bassenge, Erdener Straße 5A, Vorbesichtigung: bis 27. November; Sonnabend sowie Montag bis Mittwoch 10-18 Uhr, Sonntag 12-17 Uhr. Vorbesichtigung Fotografie, Dekorative Grafik und Miscellaneen & Trouvaillen: Donnerstag 5. Dezember, 10-17 Uhr.

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