Kultur : Freiheit für die Wetterfee!

SILVIA HALLENSLEBEN

Esperanza ist, auch wenn sie im Fernsehen das Wetter ansagen darf, eine eher unscheinbare junge Frau.Eine Frauenzeitschrift würde sie wohl sofort zwingen, das Beste aus ihrem Typ zu machen und aus dieser Unscheinbarkeit Glamour und Selbstbewußtsein zu wecken.Beides fehlt Esperanza.Sie hält sich für eine ziemliche Niete und beneidet die "sauerstoffdurchfluteten Gehirne" um sich herum, die vor Kreativität nur so übersprudeln.

Als Esperanza erfährt, daß sie an einer tödlichen Krankheit leidet und bald sterben soll, hat sie nur noch ein verrücktes Ziel.Sie will noch ein Kind haben.Und da ihr Angetrauter nicht nur ein Bürokrat, sondern zudem zeugungsunfähig ist, sucht sie - mit seinem Einverständnis - nach dem für ihren Zweck richtigen Mann.Esperanza lebt auf Kuba.Auf Kuba sind die Wetterkarten schlicht nach Kinderart gezeichnet, und die Wolken und Regenschauer werden von der Wetterdame per Stöckchen an die richtige Stelle plaziert.Das sieht schön aus und ist viel erotischer als die Elektronik bei uns.Andererseits hat in Kuba eine ziemlich patriarchalische Moral das Sagen.Eine Frau, die sich nimmt, was sich die Männer selbstverständlich nehmen, wird da schnell als Nutte tituliert.

Drei Jahre ist dieser Film nun alt.Regisseur Rolando Diaz lebt mittlerweile in Spanien.Trotzdem hat diese nur 58 Minuten lange Satire nichts von ihrem Witz verloren.Der kleine Umweg über Esperanzas Kinderwunsch erlaubt nicht nur, die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen zu thematisieren, sondern attackiert damit auch die Verlogenheit offizieller Kultur im Kuba der "Spezialperiode in ihrer zweiten Phase.Daß Esperanza am Ende, vor dem Umriß der Insel auf der Wetterkarte, ein für ihre Verhältnisse sehr heftiges Plädoyer gegen den falschen Schein und für den Eigensinn hält, kostet sie zwar den Job, zeigt aber, daß sie mehr gelernt hat, als jede Brigitte-Aktion je beibringen könnte.

Im Berliner fsk-Kino

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