Kultur : Freiraumpflege

Flick & Co: Diskussion in der Akademie der Künste

Ulrich Clewing

Auch nach der Eröffnung der Friedrich- Christian-Flick-Collection gibt es Aufklärungsbedarf. Vielleicht mehr denn je, wie eine Podiumsdiskussion der Akademie der Künste mit dem Titel „Die Kunst des Sammelns – Flick in Berlin“ belegte. Der große Vortragssaal war zu zwei Dritteln gefüllt, als Robert Kudielka das Problem umriss. Er fragte, ob die Leihgabe der Kunstsammlung von Friedrich Christian Flick an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz moralisch rechtens sei, ob es sich bei der Diskussion um den Flick-Enkel nicht auch um eine Stellvertreterdiskussion handele – und was das Ganze für die Berliner Museen zu bedeuten habe.

Und Moderator Kudielka zeigte sich gleich selbst eher pessimistisch. Er kritisierte die Ausstellung im Hamburger Bahnhof als „zu überwältigend“: Der Betrachter werde „konstant überrollt mit Sinnvorgaben“. Darin, so Kudielka in historischer Analogie, zeige sich der alte „Stil Flick“: im Verborgenen „Allianzen zu schmieden“ und das Publikum vor vollendete Tatsachen zu stellen. Etwas präziser äußerte sich der Kunstkritiker Hans- Joachim Müller, der allgemein an die Gefahren im Verhältnis von Privatsammlern und öffentlichen Museen erinnerte und beklagte, dass Kulturpolitik zunehmend zur reinen Standortpolitik verkomme, wodurch die „Verführbarkeit der Museen“ steige. Eugen Blume, Kurator der Flick-Ausstellung, betonte dagegen, der Sammler habe dem Museum „alle Freiheiten gelassen“.

Heftig kritisiert wurde Gerhard Schröder, der in seiner Eröffnungsrede der Überzeugung Ausdruck verliehen hatte, dass die Debatten die Sammlung Flick „weiter begleiten“ und dadurch „neben der Auseinandersetzung mit der Kunst“ auch „die Auseinandersetzung mit der Geschichte“ befördern würden. Das fand Heidelberger Graphiker Klaus Staeck „erbärmlich“, und Lea Rosh, Initiatorin des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, attestierte dem Kanzler gar „Schlussstrichmentalität“.

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