Kultur : Fremde Haut

Die Galerie Eigen + Art hat ein neues Gesicht.

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Noch alles offen. Die Umbaumaßnahmen kurz nach der Halbzeit. Foto: Uwe Walter
Noch alles offen. Die Umbaumaßnahmen kurz nach der Halbzeit. Foto: Uwe Walter

Nach zwanzig Jahren sollte man schon einmal aufräumen. Gerd Harry Lybke hat das in seiner Galerie Eigen + Art gründlich getan. Seit August waren die Räume geschlossen, über Monate sind allein Handwerker und Architektin Ute Schimmelpfennig durch die Glastür gekommen. Wenn es ihnen heute die Neugierigen nachtun, werden sie das alte Ladenlokal kaum wiedererkennen: Aus dem verschachtelten Architektur-Lindwurm ist ein neonheller white cube geworden.

Das wird nicht jedem gefallen. Lange wirkte die Galerie auf der Auguststraße wie ein stummer Protest gegen das immer gleiche Ambiente. Dass Lybke in diesem Ausnahmezustand verharrte, ist natürlich auch ein bisschen Koketterie. Denn natürlich weiß man um das Renommee seiner Galerie mit Künstlern wie Neo Rauch, Yehudit Sasportas oder Matthias Weischer. Understatement rüttelt da nicht am Erfolg.

Wohl aber stören sich die Künstler am Stillstand. Von ihm aus, sagt Lybke, hätte alles ruhig so bleiben können. „Inzwischen hat aber jeder Künstler viermal hier ausgestellt und gezeigt, dass er mit der schwierigen Situation zurechtkommt.“ Es gab die dringende Bitte nach einer neuen Herausforderung. Und vielleicht auch den leisen Wunsch des Galeristen nach zusätzlichen Räumen.

Voilà, nun sind es über 200 Quadratmeter – mehr als das Doppelte der früheren Zeit. Verteilt auf zwei Stockwerke und verbunden durch eine schmale Treppe aus rohem Beton, die die Gegenwart von der Vergangenheit trennt. Die Orte unterscheiden sich radikal voneinander: Oben knarzen noch die grau lasierten Holzdielen, und die lose Folge von kleinen Räumen gibt Freiheit bei der Gestaltung des Galerieprogramms. Lybke möchte sich offenhalten, ob er zwei Positionen parallel zeigt oder die Ausstellung eines Künstlers über sämtliche Zimmer ausdehnt. Zur Eröffnung nehmen sich die Maler und Bildhauer jedoch gleichermaßen zurück und überlassen der Architektur zur Premiere einen großen Auftritt. Sie selbst haben in den vergangenen Wochen cadavre exquis gespielt und sich gegenseitig Blätter zugeschickt, auf denen jeder ein Stück Figur gezeichnet hat. Außer diesen gerahmten Arbeiten wird erst einmal nichts zu sehen sein – die Galerie stellt sich erst einmal selbst aus. Christiane Meixner

Galerie Eigen + Art, Auguststr. 26, Reopening: Samstag, 23.2., von 11-21 Uhr

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