Kultur : Fremde oder Freunde

Eine Latina in Madrid, Algerier in Frankreich – zwei PANORAMA-Filme

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Die ehemaligen Kolonisatoren haben den Kolonien ihre Sprache hinterlassen – genau das macht es den Nachkommen der ausgebeuteten Völker heute möglich, in Europa Fuß zu fassen. Es scheint eine Art von später Gerechtigkeit darin zu liegen, dass Nelson, ein Ecuadorianer, jetzt über ein ganzes Heer von Verkäufern gebietet, das mittels Duftspray aufgepeppte Rosen an verliebte Paare in Madrid verkauft. So beginnt „Amador“, der eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählt.

Im Zentrum steht die schwangere Ecuadorianerin Marcela, die in Madrid als Pflegerin des todkranken Amador arbeitet. Aus unterschiedlichen Gründen sozial ausgegrenzt, entwickeln die beiden ein Verständnis füreinander. Mit ans Apathische grenzender Trägheit bewegt sich Marcela (Magaly Solier, die auch im Berlinale-Sieger 2009, „La teta asustada“ die Hauptrolle spielte): träge vor Hitze, die in die Wohnung des alten Mannes dringt; träge aber auch, weil sie versucht, dem Fluss des Lebens Einhalt zu gebieten. So verfahren und ausweglos scheint ihre Situation, dass sie sämtliche Kräfte mobilisiert, um einen Stillstand der Zeit zu erzwingen. Und da sie dabei erstaunlicherweise Verbündete findet, scheint ihr Vorhaben für eine kleine Weile zu gelingen.

Dynamisch dagegen geht es in „Dernier étage gauche gauche“ zu. In der Banlieue einer nicht genannten französischen Stadt gehen die algerischen Protagonisten wenig ehrenhaften Geschäften nach – aber auch dieser Film hat eigentlich ein anderes Thema. Da bricht der Gerichtsvollzieher François morgens zu einer Zwangsräumung auf. Wenig später findet er sich als Geisel eines algerischen Jugendlichen wieder – dessen Vater inzwischen jedoch die ausstehende Miete bezahlt hat. Aber die Wohnung dient dem Sohn als Zwischenlager für fünf Kilo Kokain. Der Junge verrammelt die Wohnungstür, während unten ein ehrgeiziger Polizeichef eine Scharfschützeneinheit mobilisiert. François gewinnt indessen Einblicke in die Wohnsituation der Algerier: Ein Wasserhahn tropft unaufhörlich, öffnet man ihn, schießt eine Fontäne hervor. Der ganze Komplex ist heruntergekommen, ein Spekulationsobjekt gieriger Vermieter. Und da erinnert sich der brave Gerichtsvollzieher auf einmal seiner links-politisch aktiven Vergangenheit. Daniela Sannwald

„Dernier étage gauche gauche“: Heute 20.15 Uhr (Cubix 7/8); 16. 2., 22.30 Uhr (Colosseum 1); 18. 2., 17 Uhr (International)

„Amador“: 16. 2., 19.30 Uhr (International); 17. 2., 13 Uhr (Cinemaxx 7); 18. 2., 14 Uhr (International)

In der tristen Banlieue erinnert sich der Gerichtsvollzieher

an seine linken Überzeugungen

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