Kultur : Freude mit Schad

KUNST

Bernhard Schulz

Zu den faszinierensten Künstlern der Weimarer Epoche zählt Christian Schad (1894 - 1982). Er wird der Neuen Sachlichkeit zugerechnet, was hinsichtlich der altmeisterlichen Präzision der Malweise auch zutrifft. Zugleich aber steht er ihr fern, insoweit er an der Welt der Objekte und der materiellen Lebensumstände der Zeit nicht interessiert war. Er porträtierte stattdessen Menschen, die ihn faszinierten; aus jener Gesellschaft zwischen Bohème, Halbwelt und verarmter Aristokratie, in der er selbst sich bewegte wie der Fisch im Wasser, zunächst in Zürich, Neapel und Wien, dann, gegen Ende der zwanziger Jahre, in Berlin.

Eine Ausstellung mit Porträts der Golden Twenties sowie den vorangehenden, von der Züricher Dada-Szene angeregten Fotoexperimenten namens „Schadografien“ war im Herbst in Paris zu sehen und macht jetzt in der vor zwei Jahren eröffneten New Yorker „Neuen Galerie – Museum für deutsche und österreichische Kunst“ des Multimillionärs und Großsammlers Ronald S. Lauder Station (1048 Fifth Avenue, bis 9. Juni).

Ausstellungen mit Schads Gemälden sind ein schwieriges Unterfangen, befindet sich ein Gutteil seines Oeuvres doch in Privatbesitz. In Berlin war es zuletzt 1980 zu sehen; und die Berliner Nationalgalerie hat nach langen Mühen erst 1997 das Bildnis „Sonja“ von 1928 erwerben können, einer Ikone der „Neuen Frau“ der Weimarer Epoche. Der Katalog der jetzigen New Yorker Ausstellung liegt zeitgleich in deutscher Buchausgabe vor (Christian Schad. Das Frühwerk 1915- 1935. Schirmer/Mosel Verlag, München 2003, 200 S., 205 Abb. 39,80 Euro) – zum Glück, denn das Warten auf die nächste Schad-Ausstellung kann sehr lang dauern.

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