Kultur : Freuet euch!

ISABEL HERZFELD

Die Kombination Mandoline/Gitarre scheint das Duo Anna Torge und Peter Ernst auf das Repertoire "alter" Barockmusik festzulegen.Doch die beiden jungen Künstler wollen hin zum großen Publikum.Dafür greifen sie auch zur Unterhaltungsmusik - und treffen bei ihrem Auftritt im Musikinstrumentenmuseum nicht immer die beste Wahl."Mountain Moor" von Stephen Funk Pearson erzeugt die angekündigten Klang-Nebelschwaden mit allzu stereotyp wiederholten Moll-Sequenzen.Carlo Domeniconi treibt in den uraufgeführten "Drei Hyanos" seinem Vorbild - peruanischer Straßenmusik - durch phantasielose Übertragung auf die beiden Zupfinstrumente die Lebendigkeit und Farbigkeit aus: Nur mit ein paar Schlägen auf den Corpus, ein paar Flageoletts entsteht noch keine Vorstellung von tiefer Trommel oder greller Flöte.Dahinplätschernde Kaufhausmusik.Auch die "Summersuite" von Carlos Miguel ist durch ein Satie-Zitat kaum aufzuwerten: Was hier unter Mandolinengeflimmer verkitscht wird, verlangt Distanz.

Sehr präzise spielen sie das alles schon, die beiden noch studierenden Musiker, die zwischen "Jugend musiziert" und "Concorso internazionale die Savona" wohl alles abgeräumt haben, was es in ihrem Terrain an Preisen zu holen gibt.Spaß, Temperament, am Ende gar Sinnlichkeit oder ein lockeres timing zum Aufpeppen der Latino-Pop-Stückchen sind weniger zu spüren.Eher im ersten Programmteil, etwa bei der d-moll-Sonate von Domenico Scarlatti, deren empfindsame Nuancen die hier noch mit dem Federkiel angerissene Mandoline schön schattiert.Das virtuose Flair einer Lisztschen Opernparaphrase entfaltet dann das "Capriccio spagnuolo" von Carlo Munier, das die Instrumentalfarben zur Geltung bringt: harten Metallglanz in Flamenco-Rhythmen, buntschillernd in rasanten chromatischen Sexten und pastellzart im typischen neapolitanischen Mandolinen-Tremolo.

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