Kultur : Freund der Dichter

Er wirkte, schlank und selbst im Alter noch mit dunklem, festen Haar, immer wie der ewige Jüngling, der in einem Gentleman steckte: in einem Herrn, der nie die Geduld oder Fassung verlor, auch nicht in härtesten Verlagskonferenzen, die er, pfeifeschmauchend, allemal noch mit einem leicht amüsierten Lächeln entspannte.Nun ist Fritz Arnold, der langjährige Cheflektor des Carl Hanser Verlages, gestern im Alter von 82 Jahren in seiner Geburtsstadt München gestorben.Arnold, mit dem wirklich zu streiten unmöglich war, obwohl er neben geschmackvollen Vorlieben als Literaturbegeisterter natürlich auch seine Abneigungen hatte (und zum Beispiel den "Bocksgesang" von Botho Strauß, anders als sein Freund und Hanser-Kollege Michael Krüger, einen "reaktionären Unfug" nannte), Arnold schien immer ein dandyhaft spielerisches Verhältnis zu seiner Berufswelt zu haben.Und doch war, was so leichthin schien, sein Ernst und seine Leidenschaft.

Ein Freund der Dichter: immer aufmerksam, nach Posteingang von Manuskripten ein schneller Leser, mit gleichermaßen gebildetem wie instinktsicherem Urteil.1963 publizierte er Thomas Bernhards ersten Roman "Frost" im Frankfurter Insel Verlag, den er zehn Jahre geleitet hatte, bis es ihn nach München, zu Hanser zog.Dort trat er nach außen bald hinter die jüngeren Kollegen zurück: hinter den auch publizistisch brillierenden Michael Krüger und den späteren Münchner Kulturreferenten Jürgen Kolbe.Als Lektor aber, das heißt als ersten Leser, Ratgeber und zugeneigten Kritiker, hat ihn Elias Canetti gerühmt, haben ihn als Gesprächspartner und Betreuer ihrer Übersetzungen Philip Roth, Isaac B.Singer und Susan Sontag geschätzt.Persönlich bescheiden, war der auch bei einer schweren Erkrankung niemals wehleidige Fritz Arnold ein stilvoller Großbürgersohn.Sein Vater, Karl Arnold, einer der berühmtesten Karikaturisten der Weimarer Republik, der Bruder Diplomat, viele Jahre bundesdeutscher Botschafter in Rom.Wunderbar ironisch konnte er erzählen - zum Beispiel auch, wie gegenüber seiner Schwabinger Wohnung einst FJS, Bayerns Ministerpräsident, immer unauffällig auffällig seine Geliebte besuchte.André Gide übrigens, dem er 1943 in Tunis als Soldat begegnet war, hatte diesen Kriegsgegner und Geistesverwandten bereits damals erkannt: Er nannte Fritz Arnold "den liebenswürdigen Deutschen". P.v.B.

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