Kultur : Freunde fürs Leben

„Jugend musiziert“:  erstes Jubiläumskonzert.

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Fünfzig Jahre – sein „Alter“ merkt man dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ nicht an. 1963 stellten sich die ersten 2500 Teilnehmer den Juroren, seither ist ihre Zahl auf rund eine halbe Million gewachsen. Kaum ein deutscher Berufsmusiker, der nicht eine Siegerkette auf regionaler, Landes- und Bundesebene vorzuweisen hat. Doch geht es nicht nur um Auslese. Der Pianist Lars Vogt, das Klavierduo Hans-Peter und Volker Stenzl, die Bratschistin Tabea Zimmermann – alle haben von Herausforderungen und Klärungen des eigenen Berufswegs zu berichten, aber auch von musikalischen Freundschaften fürs Leben.

Vogt, der den Bundeswettbewerb mit 13 Jahren gewann, führt die Riege der Festkonzerte im Konzerthaus an. Das neue Konzept berücksichtigt die Tendenz, nach ursprünglicher Fokussierung auf den Orchesternachwuchs immer mehr Solisten hervorzubringen. Vogt, der Meister am Klavier, frönt seiner Leidenschaft für Kammermusik in einer zweitägigen Arbeitsphase mit Gewinnern von „Jugend musiziert“ 2013. Die Bandbreite des Wettbewerbs bringt es mit sich, dass hier nicht immer die Stars von morgen auf der Bühne stehen, solide Technik sich nicht immer mit dem nötigen Charisma paart.

Überragende Musikalität bietet im Eröffnungskonzert die Oboistin Yeon Su Nam: Die Südkoreanerin musiziert die Sonate für Oboe und Klavier von Francis Poulenc mit staunenswerter Souveränität, unbestechlich nicht nur im klaren, kraftvollen Ton, sondern auch mit anmutiger Biegsamkeit noch im halsbrecherischsten Passagenwerk. Lea Heimsoeth ist ihr versierte Klavierpartnerin. Mit samtweichen und skurril dunklen Tönen stellt der 19-jährige Jakob Steinsiek in Camille Saint-Saëns’ Fagottsonate die Eigenarten des vernachlässigten Instruments heraus; sein Bruder Valentin bietet am Klavier durch Klangsinn und strukturierende Ideen mehr als bloße „Begleitung“.

Ein Vorwurf, den man Vogt machen muss: Zu sehr hält sich sein Klavierpart im Horntrio von Johannes Brahms zurück, lässt Luisa Höfs uneingeschränkt den Vortritt. Die 22-jährige 2. Geigerin des Pierrot-Quartetts spielt auch ihren Bruder Tillmann an die Wand, der über seinen beweglich geblasenen Part hinaus kaum zu Gestaltungsimpulsen findet. In Mozarts Es-Dur-Quintett KV 452 hingegen können sich alle Bläser in klangschönster Spielfreude um Mentor Vogt gruppieren. Dass dem sensiblen 17-jährigen Klarinettisten Julien Floreani ein solistischer Auftritt verwehrt bleibt, ist ein Wermutstropfen. Isabel Herzfeld

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