Kultur : Freundschaftsfarben

Felix Losert

Konzerte des Sibelius-Orchesters sind Heimspiele: Freunde und Verwandte der jungen Musiker warten nur darauf, den Jubel aus dem Sack lassen. Trotzdem handelt es sich um einen öffentlichen Auftritt im Kammermusiksaal - und da gilt es, etwas Besonderes zu bieten, um verwöhnte Konzertgänger anzulocken. Das gelang diesmal bestens: Herrmann Bäumer lässt zunächst in Mendelssohns zu selten aufgeführter Ouvertüre "Ruy Blas" so richtig den Theaterdonner los. Die Blechbläser dürfen sich mit glanzvollen Sätzen genauso gut in Szene setzen wie die Violinen mit kämpferischen Kaskaden und die Celli und die Holzbläser in nobel-abgetönten Gesängen.

Mit der Geigerin Rachel Schettmann und dem Cellisten Knut Weber treten dann zwei Kollegen Bäumers auf das Podium - sie spielen sonst alle drei bei den Berliner Philharmonikern. Für Brahms Doppelkonzert haben die beiden jungen Streicher die richtige Mischung aus schwungvoller Kraft, um den orchestralen Wutausbrüchen Stand zu halten, und Piano-Schmelz für intime Selbstgespräche. Nach dem Brahms-Grau des schwer schuftenden Orchesters wirkt die wunderbare Farbwelt von Schostakowitschs 9. Sinfonie umso leuchtender. Trotz einzelner Ermüdungserscheinungen zeigen die Nachwuchsmusiker, dass sie eigentlich sämtlich Solisten sind - allen voran die Fagottistin Stephanie Landgraf, die vorm Finale eine gewichtige Mahnrede halten muss, bevor allgemeiner Taumel losbricht und in einen schmissigen Cancan mündet. Der Jubel gilt nicht zuletzt einem klug zusammengestellten Programm.

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