Kultur : Friedensplan für Nahost: Abgelegen, aber im Zentrum

Der ägyptische Badeort Scharm el Scheich wird erneut zu einem wichtigen Schauplatz der Nahost-Friedensverhandlungen: Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat sollen in dem Städtchen am Roten Meer unter Vermittlung von US-Präsident Bill Clinton und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak den Grundstein für einen dauerhaften Frieden in der Region legen.

Erst Mitte Oktober blickte die Weltöffentlichkeit auf den kleinen Ort am südlichen Zipfel der Sinai-Halbinsel, wo Israelis und Palästinenser, abgelegen vom politischen Trubel und der Gewalt, über ein Ende der Unruhen in den Autonomiegebieten verhandelten.

Scharm el Scheich bietet nach ägyptischer Einschätzung die ideale Umgebung für Verhandlungen zwischen "sensiblen" Gästen wie Barak und Arafat. Fern der Hauptstadt Kairo mit ihren anti-israelischen Demonstranten bietet der isolierte Urlaubsort den Staatschefs nicht nur die nötige Abgeschiedenheit für komplizierte Verhandlungen. Scharm el Scheich ist auch ein Ort mit hoher Symbolkraft.

Dort trafen sich 1996 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zu einem von US-Präsident Bill Clinton initiierten "Anti-Terror-Gipfel". Die internationale Gemeinschaft wollte den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres nach Anschlägen radikaler Palästinenser in Israel im Friedensprozess unterstützen.

Im vergangenen Jahr trafen sich Israelis und Palästinenser wieder unter Palmen. Nach monatelangen zähen Verhandlungen einigten sie sich in Scharm el Scheich auf einen Vertrag zur Umsetzung des Abkommens von Wye Plantation. Das Zwischenabkommen galt als wichtiger Schritt zu einer endgültigen Friedensregelung. Arafat bezeichnete die Übereinkunft als "Anfang auf dem Weg zur völligen Aussöhnung von Israelis und Palästinensern".

In Scharm el Scheich wurde die Basis für die Endstatusverhandlungen der Autonomiegebiete und zur Ausrufung eines unabhängigen Palästinenserstaates gelegt. Ursprünglich wollten Barak und Arafat das Abkommen bis zum 13. September unterschriftsreif haben. Nach den monatelangen blutigen Unruhen sind sie davon jedoch wieder weiter entfernt.

Die Sinai-Halbinsel war zwischen 1956 und 1957 von israelischen Truppen besetzt und stand danach unter UN-Verwaltung. Israel eroberte das Gebiet im Sechs-Tage-Krieg 1967 erneut.

Das Konferenz- und Tourismuszentrum entstand aus einem kleinen Militärposten. Von dort aus wurde 1967 der Schiffsverkehr im Golf von Akaba im Sechs-Tage-Krieg zwischen Arabern und Israelis überwacht. Ägyptische Küstenartillerie versuchte, Israelis am Zugang zum Roten Meer und Indischen Ozean zu hindern. Erst am 25. April 1982, rund drei Jahre nach dem entsprechenden Friedensvertrag, gab Israel Scharm el Scheich an Ägypten zurück.

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