Kultur : Friedensplan für Nahost: Mit Gespür für die Grenzen

Charles A. Landsmann

"Zum Tango braucht es zwei", hieß es bis vor wenigen Tagen immer und immer wieder in Israel, wenn von den Verhandlungen mit den Palästinensern die Rede war, für die lange Zeit Arafat nicht mehr als Partner in Betracht zu kommen schien. Doch zum erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen braucht es gar vier: Nicht nur Barak und Arafat, sondern auch einen amerikanischen Noch-Präsidenten mit viel gutem Willen sowie Gespür für das Machbare. Und es braucht einen ägyptischen Staatschef mit dem unabdingbaren Durchsetzungsvermögen und einem beachtlichen Sinn für die Realitäten: Ohne Bill Clinton und ohne Hosni Mubarak ist wohl kein israelisch-palästinensischer Frieden möglich.

Seit geraumer Zeit - im Grunde bis zu den amerikanischen Wahlen - befanden die Palästinenser, Clinton sei so eindeutig pro-israelisch, dass er als neutraler Vermittler nicht mehr in Frage komme und zum Scheitern verurteilt sei. Wie beim Dreiergipfel in Camp David. Doch seit George W. Bush gewählt ist, scheint es Arafat plötzlich eilig zu haben. Wenn der auch emotional engagierte Clinton scheitert, dann wird Bush die Finger vom israelisch-palästinensischen Konflikt lassen. Davon ist Arafat überzeugt.

Priorität für Syrien?

Sollte Bush sich, wenn überhaupt, für den Nahen Osten interessieren, dann besteht dieses Interesse vor allem, um sicherzustellen, dass die Erdöl- und Energieversorgung aus dieser Region stabil bleibt. Diese Stabilität wird, aus republikanischer Sicht, wohl weniger durch einen Noch-Nicht-Staat Palästina ohne Armee gefährdet als durch den anhaltenden israelisch-syrischen Konflikt. Die sich bereits abzeichnende Folge: Das neue Washington und auch Jerusalem werden Syrien gegenüber Palästina Priorität einräumen, auch weil eine Einigung über einen totalen israelischen Abzug von den Golan-Höhen dann einfacher zu erreichen erscheint als ein Teil-Rückzug aus dem Westjordanland.

Clinton geht es um die Sache, den Frieden - und um den Eintrag des Nahostfriedens unter seinem Namen im Geschichtsbuch. Bush, so der Eindruck nicht nur auf der palästinensischen Seite, ist mehr an der amerikanischen Hegemonie interessiert. Während Clinton deshalb jetzt versucht, die Vereinten Nationen (UN) einzubeziehen und das Vertragswerk so auf eine stabilisierende internationale Basis zu stellen, befürchten nicht wenige - und zwar Palästinenser wie Israelis - von Bush ein nicht zimperliches amerikanisches Diktat.

Ein solches will auch Mubarak verhindern, vor allem aber will er, wie bei den Gipfeltreffen der Arabischen Liga und der Islamischen Staaten bewiesen, (zusammen mit Jordaniens König Abdullah II.) eine Ausweitung der Kampfhandlungen auf die gesamte Region verhindern. Ohne Abkommen, so Mubarak, komme es eher früher als später zum regionalen Krieg.

Ohne Mubarak kein Abkommen

Ohne Abkommen, so die israelische Regierungsspitze in der gestrigen Sitzung des Sicherheitsminister-Ausschusses, können die Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien nicht gehalten werden. Ohne Mubarak, auch das haben inzwischen beide Konfliktseiten eingesehen, kein Abkommen.

Barak weiß, wovon er spricht, wenn er Mubaraks Realitätssinn lobt und wenn er seine Hoffnung darüber äußert, dass Mubarak Arafat auch mit deutlichen Worten klarmacht, wo dessen Grenzen liegen. Und wann er sie zu überschreiten droht. Mubarak soll, so haben hohe palästinensische Quellen verraten, Arafat bei ihrem letzten Treffen in Bezug auf Clintons Kompromissvorschlag gesagt haben, er könne kein besseres Abkommen erhalten - "vielleicht mittels Krieg ja, aber bestimmt nicht auf friedlichem Weg".

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