• Friedenspreis für Kermani: Navid Kermani wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet

Friedenspreis für Kermani : Navid Kermani wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet

Ehrung für den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani: Er erhält bei der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Gewürdigt wird auch sein Eintreten für ein Miteinander unterschiedlicher Religionen.

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Der Schriftsteller Navid Kermani
Der Schriftsteller Navid KermaniFoto: dpa/Ingo Wagner

Die einzige Frage, die man im Zusammenhang mit der Verleihung des Friedenspreises 2015 an Navid Kermani stellen könnte, ist: Warum eigentlich erst jetzt? Warum nicht schon vor vier, fünf oder sechs Jahren. Ansonsten: überhaupt keine Fragenm schon gar keine skeptischen. Nur Zustimmung. Der deutsch-iranische, 1967 in Siegen geborene Schriftsteller und Orientalist ist ein geradezu genuiner, ein logischer Friedenspreisträger, ein Autor, der es versteht, mit großer Sachkenntnis in die theologischen und gesellschaftlichen Diskurse einzugreifen", wie es der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in seiner Begründung formuliert. Und, auch hier nur Zustimmung: "Die Romane und Essays von Navid Kermani, insbesondere aber auch seine Reportagen aus Krisengebieten zeigen, wie sehr er sich der Würde des einzelnen Menschen und dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen verpflichtet weiß, und wie sehr er sich für eine offene europäische Gesellschaft einsetzt, die Flüchtlingen Schutz bietet und der Menschlichkeit Raum gibt.“.

Kermani kritisierte im Bundestag: "Dem Recht auf Asyl wurde sein Inhalt, dem Artikel 16 a seine Würde genommen."

Das bewies Kermani erst vor einem Jahr vor großer Kulisse, nämlich im Deutschen Bundetag, als er die Rede zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes hielt und dabei nicht nur ein Loblied auf die Bundesrepublik sang, sondern auch den Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland und die 1993 beschlossene Änderung des Asylrechts kritisierte: "Dem Recht auf Asyl wurde sein Inhalt, dem Artikel 16 a seine Würde genommen." Kermani wünschte sich, dass "das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt" werde. Man müsse „anderen Menschen eine faire Chance geben, sich um die Einwanderung legal zu bewerben, damit sie nicht auf das Asylrecht zurückgreifen müssen“.

Zuletzt war Kermani für den "Spiegel" im Irak unterwegs und berichtete unter anderem aus Flüchtlingslagern und der Front gegen den Islamischen Staat aus Kurdistan. Sein jüngstes Buch heißt "Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundungen". Aber er ist nicht nur Reporter und Essayist, sondern auch ein Erzähler, mit Büchern wie "Dein Name", "Große Liebe" oder "Das Buch der von Neil Young Getöteten" hat er das erfolgreich unter Beweis bestellt, unter anderem erhielt er 2014 den Joseph-Breitbach-Preis.

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