Kultur : Friedenspreis für Pamuk: türkische Reaktionen

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Die Vergabe des Friedenspreises desDeutschen Buchhandels an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk hat in der Presse seines Heimatlandes ein geteiltes Echo hervorgerufen. „Wenn er nicht über Politik spricht, wächst er über sich hinaus“, kommentierte die auflagenstärkste Zeitung „Hürriyet“. Selbst das, was er über das Verhältnis der EU zur Türkei gesagt habe, sei von einer „poetischen Sensibilität“ getragen gewesen, lobte das Blatt. Dagegen habe der Applaus am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche leider seinen politischen Ausführungen und nicht seinen Erläuterungen zum Roman gegolten. Seit Pamuk Anfang des Jahres in einem Interview die Kurden und Armenier-Problematik angesprochen hat, ist er von nationalistischen Türken zum „Vaterlandsverräter“ gestempelt worden. Die Angriffe setzte Mustafa Basoglu, Vorsitzender der türkischen Gewerkschaft für das Gesundheitswesen, am Montag fort: „Herr Pamuk mag in der Türkei geboren sein, leben sollte er aber in Armenien. Jemand, der nicht stolz darauf ist, Türke zu sein, und seinen Staat zu Unrecht beleidigt, hat kein Recht, in den Grenzen der Türkischen Republik zu leben.“

Nur mit „sachten Worten“ habe Pamuk „die Türken gegenüber den Deutschen gelobt“, kritisierte das Boulevardblatt „Aksam“. Das Eintreten des Schriftstellers für einen EU-Beitritt der Türkei quittierte das Blatt mit der Überschrift: „Väterchen Orhan, bring du uns in die EU!“ Einen Kontrapunkt setzte die liberale Zeitung „Radikal“, die nicht nur ihre Titelseite der Preisvergabe widmete. Im Kulturteil druckte sie den vollständigen Text von Pamuks Dankesrede ab. Nachdem einige im Vorfeld der Verleihung moniert hatten, dass sich kein türkischer Offizieller zur Feierstunde angesagt hatte, erwähnten am Montag viele Blätter, dass Pamuk „nicht traurig“ darüber gewesen sei und er die Abwesenheit eines offiziellen Vertreters der Türkei sogar als „Ehre“ empfunden habe. Auch Pamuks 14-jährige Tochter Rüya wurde ausführlich gewürdigt, mit der sich Pamuk erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt habe. „Pamuk Prenses“ („Schneewittchen“) lautete eine der Bildunterschriften. dpa

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