Kultur : Friedlieb Ferdinand Runge-Preis: Bildungsgetriebene

Michaela Nolte

Mit Christel Hartmann-Fritsch fiel die Wahl für den "Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung" in diesem Jahr selbst höchst unkonventionell aus. Zum fünften Mal würdigte die Stiftung Preußische Seehandlung eine Persönlichkeit, die ihr Leben in den Dienst der Kunst stellt und dabei herkömmliche Pfade verlässt. Auf Initiative der Berlinischen Galerie wurde der Preis 1994 zu Ehren von Gründungsdirektors Eberhard Roters eingerichtet, der wie Friedlieb Ferdinand Runge (1794-1867) für unorthodoxes Wirken steht. Ähnlich wie Runge, der als Chemiker bildnerische Prinzipien der Farbe entdeckte, bezog auch der Kunsthistoriker Roters in seinen Schriften die Chemie und Physik ein.

Nachdem die bisherigen Preisträger - darunter Harald Szeemann und Eske Nannen - dem konventionellen Kunstbetrieb angehörten, hat der diesjährige Juror Wolf Lepenies ein kulturpolitisches Zeichen gesetzt. Christel Hartmann-Fritsch leitet das "JugendKunst- und Kulturzentrum Schlesische 27". In jahrelanger Aufbauarbeit begeisterte die 1950 geborene Romanistin Sponsoren und BDI, Berliner Senat und EU für das spartenübergreifende Haus in Kreuzberg. Seit den 80er Jahren praktiziert sie hier eher unpopuläre "Kunst im sozialen Kontext"; die von ihr dort initiierten internationalen Begegnungen haben weit über Berlin hinausgestrahlt. Den mit 27 000 Mark dotierten Preis, den Kultursenator Stölzl nun in der "Schlesischen 27" überreichte, will Hartmann-Fritsch im Geiste des Namenspatrons nutzen. In einer "Zweckfreien Gesellschaft" sollen junge Kunstschaffende eigene Ideen zur Verwendung des Preisgeldes entwickeln. Vom "Bildungstrieb der Stoffe" handelt ein Buch Runges - Hartmann-Fritsch weckt den menschlichen Bildungstrieb, wo ihn viele nicht vermuten. In Zeiten, wo TV-Entertainer zu Leitfiguren von Jugendlichen werden, eine beispielhafte, eine würdige Preisträgerin.

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