Friedrich auf der Bühne : Herrscher, Kriegstreiber, Monster, Musical-Held

Die Rezeption Friedrichs II. auf deutschen Bühnen von der Kaiserzeit bis heute – ein Spiegelbild deutscher Befindlichkeiten.

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Ende der 80er Jahre kam es zu einer Neubewertung Friedrichs in der DDR. Das Plakat von Bernd Frank zu Heiner Müllers Stück in der Volksbühne in Ost-berlin stammt von 1988.
Ende der 80er Jahre kam es zu einer Neubewertung Friedrichs in der DDR. Das Plakat von Bernd Frank zu Heiner Müllers Stück in der...Foto: DHM Berlin

Das „kulturelle Highlight des Jubiläumsjahres 2012“, ein regelrechtes „Leuchtturmprojekt“ zu Friedrich II. steht uns noch bevor: die Welt-Uraufführung des Musicals „Friedrich – Mythos und Tragödie“ am 1. Juni, aufgeführt am „Originalschauplatz Potsdam“, wo uns das „aufregende zweite Gesicht einer großen historischen Figur“" nahegebracht werden soll. Mit den „besten Darstellern Deutschlands...und Musik mit Ohrwurmcharakter“, also ein „ideales Paket für Busreiseveranstalter und Individualtouristen.“

Ach!, möchte man mit Kleist seufzen. Dabei hatte Potsdam doch schon eine Friedrich-Show kurz vor seinem 300. Geburtstag: „Fritz!“, am Hans Otto-Theater am 14. Januar uraufgeführt. Eine Mischung aus „Rokokonummernrevue“ und „Nazivarieté“, wie jemand schrieb, die die zentrale Frage stellte (aber zum Glück unbeantwortet ließ): Wer war Friedrich II? „Verächter der Frauen, Räuber Schlesiens, Wegbereiter Hitlers“? Oder doch „Philosoph auf dem Thron, der Folter und Zensur abschaffte...Komponist, Dichter, Architekt?“

Die Musical-Macher des „Leuchtturmprojekts“ irren also. Es gibt nicht nur das „aufregende zweite Gesicht“ Friedrichs II. Es gibt viel mehr! Schon zu Lebzeiten rankten sich widersprüchliche Legenden um ihn. Hunderte Gemälde (obwohl sich Friedrich nur einmal porträtieren ließ), Büsten und Denkmäler entstanden in den Jahrzehnten nach seinem Tod 1786, zahlreiche Filme, Biografien und gut ein Dutzend Theaterstücke kamen im 20. Jahrhundert hinzu. Und „jede Epoche...machte sich ihren Friedrich“, wie es im Katalog der Ausstellung „Friedrich der Große – verehrt, verklärt, verdammt“ im Deutschen Historischen Museum heißt. „Beschäftigt man sich heute mit den ...Hinterlassenschaften...des Kultes um Friedrich II., so wird man wechselnde Vereinnahmungen, aberwitzige, wie gefährliche Instrumentalisierungen dieser Person gewahr...Zerr- und Spiegelbilder vergangener Gesellschaften...“: Der schöngeistige Friedrich in Adolph Menzels „Flötenkonzert von Sanssouci“ aus dem Jahr 1852. Friedrich als Staatslenker und Kriegsherr im Reiterdenkmal von Christian Daniel Rauch, 1851 Unter den Linden aufgestellt.

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