Friedrich in der Kunst : Mit und ohne Dreispitz

Militärischer Stratege oder intellektueller Kopf – Typologie der überlieferten Bildnisse Friedrichs II.

Leonore Koschnick
Oft kopiert. Heinrich Franke hat dieses Bild 1780/86 geschaffen.
Oft kopiert. Heinrich Franke hat dieses Bild 1780/86 geschaffen.Foto: DHM Berlin

Friedrich der Große saß Künstlern nur ungern Modell, während er sich anderweitig durchaus in Szene zu setzen wusste. Die zu Lebzeiten entstandenen Staatsporträts des jungen Monarchen und Bildnisse des gealterten Königs waren in ihrer Variationsbreite überschaubar. Die Gemälde von Antoine Pesne und Heinrich Franke wurden wegen der großen Nachfrage bereits im 18. Jahrhundert vielfach kopiert. Nach dem Tod des Preußenkönigs lieferte vor allem Daniel Chodowiecki die kleinformatigen Illustrationen zu den anekdotischen Erzählungen, die über den Verstorbenen veröffentlicht wurden. Chodowiecki schuf dabei einige Darstellungen, die uns bis heute vertraut sind und die von Künstlern wie Adolph Menzel und Lovis Corinth übernommen und weiterentwickelt wurden. Man könnte von einer Typologie der Darstellungen Friedrichs des Großen mit teils mythologischer Bedeutung sprechen. Dazu gehören vor allem das Porträt in Uniform mit Dreispitz, das Reiterbildnis, das Porträt ohne Dreispitz, die Rückenansicht und die Totenmaske.

Große Popularität bei den Anhängern Friedrichs genoss stets die blaue Interimsuniform mit Dreispitz, wie sie der König in seinen letzten Jahren getragen hatte: Zuerst sorgte der Maler Heinrich Franke dafür, dass diese königliche Kleidung allseits bekannt wurde. Seine Porträts des Monarchen, kurz nach dem Siebenjährigen Krieg in höherer Auflage gemalt, untermauerten die Berichte von Zeitzeugen, dass der „Alte Fritz“ immer weniger Wert auf seine äußere Erscheinung legte, dass er sich aber weiterhin mit seinen Soldaten eng verbunden fühlte.

Die original erhaltenen Uniformen wurden nach dem Tod Friedrichs zu gefragten Sammlerstücken und erreichten zusehends Kultstatus. 1913 freuten sich die Mitarbeiter des Berliner Zeughauses über den Erwerb einer Originaluniform Friedrichs für das Zeughaus-Museum. 1921 verewigte Lovis Corinth das Kostüm in einer Lithografie. So wurde dieses „Bildnis“ des preußischen Königs zu einer bis heute populären Ikone.

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