Kultur : "Friedrich und Katte"

VOLKER STRAEBEL

Die Kartusche über der Bühne des Schloßtheaters in Potsdam ziert sein Monogramm - FR, Fridericus Rex. Später Triumph des Schöngeistes, der in seiner Jugend in Frauenkleidern und mit Schmuck behangen herumstolzierte. So turtelte er mit dem acht Jahre älteren Katte, so erspürte er bewundernd dessen Leib und fand ihn im Kuß. Diese Auftritte der "weichen Memme" waren es, die den Vater Friedrich Wilhelm I. zur Raserei brachten - ein gescheiterter Fluchtversuch und die Hinrichtung Kattes vor den Augen des Geliebten waren die grausame Folge.

In seiner Kammeroper "Friedrich und Katte" entwirft Wolfgang Knuth ein eindringliches Psychogramm des preußischen Hofes. Der herrschsüchtige Soldatenkönig sublimiert seine unterdrückte Homosexualität im Sammeln "Langer Kerls", an denen er herumnestelt und die er wie seine übrige Armee nie in den Krieg schicken würde, vernachlässigt aber seine enttäuschte Frau. Die schwulen Gehversuche seines Sohnes begleitet er mit in Prügelei und öffentlicher Demütigung eskalierendem Zorn, der doch nur seinen Neid verbirgt. Der Kronprinz wiederum sehnt sich nach Liebe und Anerkennung des Vaters, kann jedoch nicht aus seiner Haut und stiehlt dem König gar Juwelen, um seine Lesewut zu finanzieren.

Holger Müller-Brandes, der in dieser Uraufführungsproduktion des Stadttheaters Minden auch für die konzentrierte, erfrischend wenig opernhafte Regie verantwortlich zeichnet, schuf ein Libretto in sieben Szenen, die in beliebiger Folge gespielt werden können. Dazwischen liegen Tonbandzitate aus den Verhören des Kronprinzen-Prozesses, in dem Friedrich Wilhelm I. 1730 seinen Sohn anklagte, um die Staatsraison zu retten. Die Partitur fügt kleinste Motivsplitter zu einem atmosphärischen, zwischen Tonalität und Geräusch changierenden Gewebe zusammen, das den trotz ihrer weiten Intervallik sanglichen Stimmen kaum Halt gibt. In der ästhetischen Glätte dieser Musik bleiben die Protagonisten Friedrich (York Reynolds) und Katte (Clemens-C. Löschmann) trotz sängerisch hervorragender Leistung jedoch gefangen. Cornelius Trantow leitete das souveräne Ensemble sicher durch das zweistündige Werk, dessen Höhepunkt nicht singt, sondern knirscht: Die Hinrichtung illustriert ein lautmalerisches Orchesterzwischenspiel mit fahlen Alt-Blockflöten und hölzerner Perkussion, das wohl drohend gemeinten Tutti-Durakkorden folgt. Insgesamt vermag Knuth uns jedoch weder zu berühren noch zu überzeugen. So bleibt musikalisch unentschieden, was inhaltlich mit sensibler Konstruktion besticht.

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