Kultur : Frist und Frust

Warten auf den großen Umzug: Berlins Deutsches Historisches Museum feiert 15. Geburtstag

Christina Tilmann

Was feiert man, wenn es nichts zu feiern gibt? Wie begeht man ein Jubiläum, wenn man eigentlich in einem Zwischenstadium eingekeilt ist? Die Festveranstaltung zum 15. Geburtstag des Deutschen Historischen Museums fällt in ein seltsames Aktionsvakuum: Noch ist der Neubau von I.M.Pei nicht fertig, der im Mai 2003 eröffnet werden soll. Noch ist auch die neu konzipierte Dauerausstellung nicht zu sehen, die erst 2004 im renovierten Zeughaus gezeigt wird. Statt stolz auf Erfolge verweisen zu können, blickt man beim DHM etwas bang in die Zukunft.

Eine Zwickmühle, der sich jeder Festredner seiner Natur gemäß entzieht: Knut Nevermann in seiner Rolle als Vorsitzender des Aufsichtsrats tritt mit gewohnt hanseatischer Skepsis auf. Man solle den Tag nicht vor dem Abend loben, also erst einmal abwarten, was das Haus mit seiner neuen Ausstellung leiste. Gründungsdirektor Christoph Stölzl erinnert in einem anekdotenreichen Parforceritt an die schwierige Anfangszeit, an die Planungen im Spreebogen, die von der Wende überholt wurden, an die Vereinigung der Institutionen in Ost und West und die damit verbundenen Friktionen.

Hans Ottomeyer, dem jetzigen Direktor, bleibt die undankbare Aufgabe des Klagens. Das Museum hat Geldsorgen: Die auf 125 Millionen Euro veranschlagten Baumittel für Renovierung und Neubau sind knapp, seit sich bei der Überdachung des Innenhofs Verzögerungen ergeben haben. Bei der Ausstellungsplanung herrscht zur Zeit Stillstand, und um das anspruchsvolle Wechselausstellungs-Programm von Kennedy bis zum Ersten Weltkrieg zu bewältigen, müsse das Haus auf Neuerwerbungen völlig verzichten. Eine Einstellung, die Stölzls Grundkonzept ziemlich zuwiderlaufen dürfte, hatte der Gründungsdirektor doch seinen ganzen Stolz in den schnellen Aufbau einer Sammlung gesetzt. Noch heute schwärmt er von besonderen Stücken.

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