Kultur : Frühlingserwachen

Michaela Nolte

Als West-Berliner kommt man manches Mal ins Staunen, was so alles totgesagt wird, während man sich und seine Umgebung eigentlich als recht lebendig empfindet. Zu den Totgeweihten gehörte zeitweilig auch die Fasanenstraße – vor allem nachdem Bulgari, Gucci & Co umsiedelten. „Die Nobelgeschäfte haben nur die Mieten in die Höhe getrieben“, sagt dagegen Ingrid Raab. „Seit sie weg sind, entwickelt sich hier wieder eine Straße der Individualisten.“ In den vor eineinhalb Jahren bezogenen Räumen zeigt sie die junge Wiener Malerin Nina Maron mit so fröhlich-frechen Statements wie „Who cares about money? It’s art!“ (bis 28. April; Preise von 250 bis 1500 Euro) . Und wer wirklich nicht über Geld nachdenken muss, findet in der Raab Galerie (Fasanenstraße 27) einen wunderbaren „Kleinen Stuhl“ von David Hockney für 60 000 Euro.

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Alteingesessenen wie Barthel & Tetzner, der Kunsthandel Wolfgang Werner sowie die Villa Grisebach gelingt immer wieder ein Brückenschlag zwischen etablierter und junger Kunst. Seit 2004 zeigt die Villa Grisebach Gallery parallel zur klassischen Moderne auch Zeitgenössisches. Aktuell zielen Matthew Burbidges „Alte Meister“ jedoch nicht auf den Genius Loci, sondern auf Thomas Bernhards gleichnamige Komödie. Und tatsächlich mutet der rasante Parcours durch die Kunstgeschichte wie die sinnlich gewordene Bernhard’sche Wortmacht an: 120 Objekte vom Dürer-Hasen bis zum Rauschenberg-Fleury-Combine (Preise zwischen 120 und 3000 Euro), hintersinnig durch den Kunstwolf gedreht. Heraus kommen liebevolle Reminiszenzen aber auch bissige Kommentare auf den Umgang mit Meisterwerken – wenn Pieter Breughel als dekoratives Puzzle endet (Fasanenstraße 25, bis 1. April) .

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Ein Neuzugang ist Egbert Baqué Contemporary Art . Zufällige Koinzidenz: Baqué residiert im Gartenhaus der Galerie Bremer (samt legendärer Scharoun-Bar), die neben Springer & Winkler (Fasanenstraße 13) zu den traditionsreichsten Galerien der Stadt gehört. Die erste Einzelschau ist Bettina van Haaren gewidmet. Die lakonischen Sujets ihrer sperrigen und diffizilen Geflechte aus Raum und Figuration erschließen sich erst auf den zweiten Blick: Schemenhafte Figuren wachsen da aus dem Schatten eines Nachtspeichers oder werden eins mit einem hyperrealistischen Schwan (Preise zwischen 400 und 12 000 Euro). Van Haarens dezente und helle Farbigkeit schlägt stets in dunkel-skurrile Geschichten um (Fasanenstraße 37, Eröffnung: heute von 16–21 Uhr, bis 13. Mai) .

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In der GaleriArtist verneigt sich Rolf-Gunter Dienst vor „Moby Dick“. Mit Zeichnungen und einer zehn Quadratmeter großen Leinwand (Preise von 1800 bis 60 000 Euro) schlägt der 1942 geborene Künstler, sonst eher für konkrete Farbgewalt bekannt, nun meditative Klänge an. Fast ätherisch legen sich die blauen und gelben Nuancen um zeichenhafte Skripturen und tauchen Melvilles literarische Vorlage in eine abstrakte, malerische Atmosphäre (Fasanenstraße 68, bis 6. Mai).

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