Kultur : Frühlingsgefühle

Gemischte Ergebnisse im Berliner Auktionshaus Lehr

Michaela Nolte

Was in anderen Häusern unauffällig und eilig als Rückgang verbucht wird, verwandelt die Auktionatorin Irene Lehr in allgemeine Heiterkeit: Eine Kleinplastik, die als Kunstwerk beim Publikum durchfällt, bietet die Auktionatorin schon mal als Handschmeichler feil und sichert sich so die Sympathien des Saals, der zur 16. Auktion jedoch nur mäßig besucht war.

Ebenso nonchalant setzt sich Lehr über ungeschriebene Marktgesetze hinweg. Gelten zurückgegangene Werke in der Regel als „verbrannt“, hielten zur Frühjahrsauktion gleich mehrere Lose Einzug, die im Herbst keine Abnehmer gefunden hatten. Im Falle einer Bleistiftzeichnung von Gustav Klimt geriet das Wagnis dem Auktionshaus zum Vorteil. Für 3000 Euro ging die 1902/03 entstandene Studie im vergangenen Oktober in den Nachverkauf, jetzt steigerten zwei Telefonbieter das Blatt auf 7500 Euro. Zum gleichen Preis wurde Fritz Winters „Grau und Gelb“ einem Herrn im Saal zugeschlagen und die im Vorjahr geschätzten 12 000 Euro heftig nach unten korrigiert. Selbiger Sammler hatte sich bereits Winters unbetiteltes Ölbild von 1951 zur unteren Taxe von 10 000 Euro gesichert, und damit für einen von drei Zuschlägen im fünfstelligen Bereich gesorgt. Bernhard Kretzschmars 1952 gemalter „Blick auf die Dresdner Altstadt“ blieb mit erwarteten 20 000 Euro das Spitzenlos des Nachmittags. Für Spannung sorgte das „Bildnis E. S.“ des jung verstorbenen Dix-Schülers Wilhelm Dodel. Nach einem Aufruf von 6000 Euro und einem langen Gefecht, holte es ein Telefonbieter mit 17 000 Euro zurück an seinen Entstehungsort Dresden. Den zweiten Ausreißer der Auktion stellte ein Holzschnitt von Wilhelm Rudolph dar. Mit einem moderaten Schätzwert von 360 Euro, kletterte die „Dresdner Straßenszene bei Schneetreiben“ um das Sechsfache. Angesichts einer schwierigen Vorlaufphase, in der die Einlieferer durch die zwischenzeitlich diskutierte „Wertzuwachssteuer“ sowie den Irak-Krieg Zurückhaltung übten, gibt sich Lehr zufrieden. Ihre Politik der kleinen Preise blieb zwar unter dem Rekordergebnis vom vergangenen Herbst, ist bei einem Bruttoumsatz von 530 000 Euro aber durchaus aufgegangen.

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