Kultur : Frühlingsgefühle

Im Berliner Auktionshaus Lehr wurde Hans Jüchsers „Kleine Liegende“ heftig umworben

Michaela Nolte

Vorgebote für das Hauptlos gab nicht. Und so rief die Auktionatorin Irene Lehr Otto Dix’ „Schlucht mit Pferdegespann“ mit 270000 Euro und einem nonchalanten Schmunzeln auf; denn ihre Kundschaft ist nicht gerade auf sechsstellige Summen abonniert. Zwar liegt der Dix-Rekord über 5,4 Millionen Euro, aber die erhofften 290000 Euro wurden bis dato für ein Frühwerk selbst in den großen Auktionshäusern nicht erreicht – und blieben auch in Berlin aus. Wenn Irene Lehr dennoch hochzufrieden mit einem Bruttoumsatz von 670000 Euro abschließt, verdankt sie das auch Willi Baumeisters „Sommerfest“, das mit 85000 Euro ein sehr solides Ergebnis einfuhr. Vor allem viele bereits im Vorfeld abgegebene Gebote bescherten der Auktion eine Verkaufsquote von 79 Prozent: Allein für ein postkartenkleines Aquarell von Max Schwimmer lagen 30 schriftliche Aufträge vor – wodurch die Stimmung im Saal etwas frühjahrsmüde wirkte.

Von den zwei weiteren Dix-Losen sicherte sich ein Berliner Händler das Aquarell „Nebel am Abend“ für 25000 Euro. Den Meister überrunden konnte sein Schüler Wilhelm Dodel, dessen Frauenbildnis „Rosemarie“ zugleich den höchsten Zuwachs erzielte. Das Bietgefecht bestritt die Auktionatorin im Auftrag gegen einen Dresdner Telefonbieter, der sich schließlich durchsetzte und die großformatige Leinwand aus dem schmalen Œuvre des 37-jährig im Krieg gefallenen Künstlers von 8000 auf stolze 26000 Euro steigerte. Gefolgt von Natalia Gontcharovas „Stillleben mit Goldregen“, für das ein australischer Telefonbieter den Zuschlag erhielt. Einsame Institution unter den Käufern war ein Kunstverein aus dem Sauerland, der sich Martel Schwichtenbergs kubistisch inspiriertes Frauenprofil von 1920 – inklusive einer rückseitigen Landschaft ihres Gatten Willy Robert Huth – für 10000 Euro sicherte. Heftig umworben war Hans Jüchsers „Kleine Liegende auf weißem Kissen“. Bereits der Einstieg erfolgte mit 5200 Euro oberhalb des Schätzpreises und ein Berliner Sammler sicherte sich das Ölbild von 1970 bei 6800 Euro. Das „Bildnis Burkhard Zeische“ des Dresdners stieß zunächst auf Zurückhaltung; doch noch vor der Pause gewährte ein Saalbieter 3000 Euro und läutete so schon während der Auktion den Nachverkauf ein.

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