Kultur : Fühler und Flügelchen

FREILICHTOPER

Cordula Däuper

Warum eröffnet der Komponist Siegfried Matthus seine Opern-Collage mit einer Vorwarnung? Gleich beginne ein großes Durcheinander. Und Vorsicht: Es gebe keine klassische Dramaturgie. Dabei merkt der Zuschauer der Uraufführung von Welch schöne Nacht doch selbst, dass die Szenen, die im Heckentheater der Kammeroper Schloss Rheinsberg gezeigt werden, zumeist nichts miteinander zu tun haben. Und dass da auch kein Puck – Shakespeares und Mendelssohns „Sommernachtstraum“ entliehen – moderierend weiterhilft. Hat man sich gerade aufs Kugelngießen in der gespenstischen Wolfsschlucht des „Freischütz“ eingelassen, kommt der paillettenbefrackte Conférencier Puck, grinst und singt „Doch jetzt machen wir Pause mit großem Geschmause.“ Und futsch ist die Stimmung.

Matthus versucht, mit dem „Sommernachtstraum“-Personal und selbst komponierten Zwischenszenen einen roten Faden von Webers Wolfsschlucht, über „Hänsel und Gretels“ Märchenwald zu Mendelssohns „Hochzeitsmarsch“ zu spinnen. Vergebens. Gewiss kann Falstaff aus „Den lustigen Weibern von Windsor“ mit Humperdincks Hexe zum Hochzeitsmarsch „Hier sind nun die Verliebten“ verkuppelt werden, aber konstruiert ist es doch und zudem überflüssig. Denn die einzelnen Szenen beeindrucken durchaus (wieder am 12., 13., 15., 16. August, jeweils 20 Uhr. Karten unter Telefon 033931-39296 oder www.kammeroperschloss-rheinsberg.de ).

Besonders anrührend vor der Baumkulisse, die das Theater umgibt, sind Hänsel und Gretel, die den Weg nach Hause nicht mehr finden. Hier verstärkt Humperdincks Musik die Waldfinsternis und belebt sie gruselig. Ein Erlebnis, das auch dem konzentriert aufspielenden JugendFestivalOrchester der Kammeroper unter der Leitung von Hans-Dieter Baum und den 13 Sängern und Sängerinnen aus neun Nationen zu verdanken ist: Sie interpretieren große Rollen aus romantischen Opern in einer hervorragenden Ensembleleistung, musikalisch wie szenisch. Regisseur Kay Kuntze lässt die Darsteller präzise und flink als Fabelwesen agieren, in phantastischen Kostümen (José-Manuel Vazquez) mit Flügelchen und Fühlern.

Kuntze schöpft aus einfachen Mitteln poetische Bilder: So steigt ein großer weißer Ballon als Mond in den Sternenhimmel über Rheinsberg (und bekommt dafür Szenenapplaus), oder mit einem großen Tuch werden Wellen für Dvoráks Nixe Rusalka geschlagen. Zum Schluss hingegen hätte man auf die echten Pferde vor der Hochzeitskutsche verzichten können, so furchtbar ist es, die aufgeregten Tiere zu beobachten und darauf zu warten, dass mal eines durchgeht – der Attraktion halber.

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