Kultur : Führungsduo der Union: Machtgerangel an der CDU-Spitze

Stephan-Andreas Casdorff

In der Union ist der Machtkampf um die Führung entgegen allen Beteuerungen noch nicht beendet. CDU-Chefin Angela Merkel wird weiter als Nachfolgerin von Friedrich Merz gehandelt. Die Vorentscheidung auch über die Kanzlerkandidatur soll am 25. März fallen, dem Wahltag in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel warnte die Schwesterpartei indirekt: Die CSU könne den Fraktionsvorsitz ebenfalls übernehmen, sagte er der "Welt". Wie außerdem zu erfahren war, hat CSU-Landesgruppenchef Michael Glos Merkel vor geraumer Zeit schon gefragt, wer ihr "nächstes Opfer" sein werde.

Über die Auseinandersetzung mit der CSU hinaus zeigen sich auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Merkel und dem ehemaligen CDU-Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble. Merkel zeigte sich laut "Bild"-Zeitung verwundert über eine kritische Äußerung Schäubles. Es heißt, sie habe sich Kritik am Erscheinungsbild im Allgemeinen und an der Doppelspitze mit Friedrich Merz im Besonderen verbeten. Merkel soll deshalb ihren Vorgänger in der Partei auch telefonisch zurechtgewiesen und zur Zurückhaltung aufgefordert haben. Eine Sprecherin der Parteichefin bestätigte das Telefonat am Montag. Nähere Angaben machte sie dazu nicht, dementierte aber auch den "Bild"-Bericht nicht ausdrücklich. Schäuble wiederum zeigte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel verwundert über den Bericht vom angeblichen Verlauf des Telefonats, das er mit Merkel führte. Der Ex-Parteichef hatte am Wochenende in zwei Interviews Loyalität mit Merkel und Merz gefordert und darüber hinaus auf das Problem ihrer Außendarstellung hingewiesen. Danach werden sie beide als Rivalen angesehen.

Unionsfraktionschef Merz, der das Modell Doppelspitze verteidigt, wurde in dieser Hinsicht am Mittwoch vom Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, bestätigt. "Den Menschen ist die Konstellation an der Spitze einer Partei egal, solange das Modell funktioniert", sagte Güllner im dpa-Gespräch. Auch das Beispiel mit Karl Carstens als Fraktionschef und Helmut Kohl als Parteichef (1973-1976) sei im Prinzip richtig. Als weiteren Vergleich zog Güllner heran, eine SPD-Konstellation mit Gerhard Schröder als Kanzler und Oskar Lafontaine als Fraktionschef ohne Reibungen "hätten die Menschen wunderbar gefunden".

"Warum denn nicht? Das ist durchaus vorstellbar", antwortete CSU-Generalsekretär Goppel auf die Frage, ob ein Politiker siener Partei die Unionsfraktion führen könne. Immer wieder ist in zurückliegender Zeit der stellvertretende Fraktionschef Horst Seehofer dafür genannt worden. Goppel schränkte aber ein, dass die CSU sich das genau überlegen müsse, weil sie dann sehr häufig "ihr eigenes Profil in Frage stellen müsste". Ausdrücklich wies der CSU-Generalsekretär aber darauf hin, dass die derzeitige Diskussion über den Fraktionsvorsitz "völlig hypothetisch" sei. "Wir haben einen Fraktionsvorsitzenden, und der heißt Friedrich Merz", bekräftigte Goppel. Dies wurde auch als weiterer Fingerzeig an die CDU und ihre Chefin Merkel verstanden. In CDU und CSU werden ihr übereinstimmend Ambitionen auch auf das Fraktionsamt nachgesagt. Merz gilt allerdings als "Schützling" der CSU.

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