Kultur : Führungsstil

Susanna Nieder

Tango ist der gefährlichste aller Tänze – doch das begreift Han Bijman erst, als es zu spät ist. Da ist der nicht mehr ganz junge Junggeselle bereits mittendrin im Spiel aus Anziehung und Distanz, Versprechen und Betrug, Erfü llung und Entzug, bei dem er, der Neuling, keine Chance hat. Dabei hatte ihn Machteld, seine zupackende Nachbarin, noch vor dem Salon für Fortgeschrittene gewarnt: „Gut, der Mann führt, aber bilde dir nie ein, dass du auch wirklich die Führung hast – auch die Frau führt, indem sie ihn führen lässt, das heißt, so lange und so viel sie möchte.“

Machteld ist die Sorte nordeuropäischer Tanguera mittleren Alters, die den Tango besser studiert hat als jeder Argentinier und alljährlich die legendärsten Lehrer und Salons von Buenos Aires aufsucht. Mit sanfter Ironie lässt der 1956 geborene Holländer Thomas Rosenboom, seit seinem Roman „Das Liebeswerk“ einer der angesehensten Autoren seines Landes, sie in seinem wunderbar leicht erzählten Roman „Tango“ über Hans’ Liebesbeziehung mit Esther präsidieren, die nach den für Han undurchschaubaren Regeln des Tango beginnt, ihren Höhepunkt erlebt, eine Verzögerung erfährt, um dann unaufhaltsam ihrem Ende zuzueilen. Wie im Salon, in dem sie ihn vor öffentlichem Versagen auf dem Parkett rettet, führt Esther den Unerfahrenen durch seine erste Liebesnacht, durch Begeisterung, Eifersucht und Liebeskummer.

Schließlich verschwindet sie wie eine Tänzerin, nachdem der letzte Tango verklungen ist, und Han muss sich mit Machteld und den Worten seiner Lehrer trösten: „Tango ist gehen, einfach gehen … immer weitergehen … was kann dir schon passieren?“


Dieses Buch bestellen Thomas Rosenboom: Tango. Roman. Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas. DVA, München. 152 Seiten, 16,90 €.

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