Führungswechsel : Art Forum Berlin: Das verflixte 13. Jahr

Das Art Forum Berlin wechselt die Spitze aus: Sabrina van der Ley braucht das nicht mehr zu kümmern: Sie wechselt als Direktorin zur Hamburger Galerie der Gegenwartskunst.

Christina Tilmann

Das Ende war so verstolpert wie das ganze Jahr: Ein Messevertreter, der sich bei seinen Dankesworten mühsam durch Hesses „Stufen“ hangelt – „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – und offen zugibt, wie häufig es Spannungen zwischen ihm und der scheidenden künstlerischen Leiterin Sabrina van der Ley gab. Ein Beiratsmitglied, das öffentlich bekennt, man könne ein ganzes Buch über das letzte Jahr schreiben – „es würde kein freundliches Buch“. Und die solchermaßen geehrte künstlerische Leiterin wahrt Contenance, dankt ihrem Team, unterdrückt die Tränen, wünscht den aus Basel angeworbenen Nachfolgern EvaMaria Häusler und Peter Vetsch Glück und „dass sie die atmosphärischen Fehler, die in der Berliner Luft lagen, möglichst schnell vergessen mögen“. Kein Vertreter des Landes Berlin meldet sich zu Wort, um Sabrina van der Ley für neun Jahre Messearbeit zu danken, in denen sie das Art Forum von einer improvisierten Newcomer-Messe zum anerkannten Marktplatz für Gegenwartskunst machte.

Kein Ruhmesblatt, dieser Übergang. Schon als im Frühjahr immer dringlicher das Gerücht die Runde machte, Sabrina van der Ley, die sich zu der Zeit in Mutterschaftsurlaub befand, solle in ihrer Funktion als künstlerische Leiterin der Kunstmesse ersetzt werden, war das das Ergebnis einer unschönen Intrige. Nicht nur, dass die Messeleitung ihre mangelnde Wertschätzung des – zugegebenermaßen nach Messegesichtspunkten wenig attraktiven – Art Forums durch die Verlegung des Termins in den November deutlich bewiesen hatte. Auch führende Galeristen, die längst nicht mehr auf dem Art Forum vertreten sind, taten ihr Möglichstes, um das Standing weiter zu untergraben – etwa mit einer als Kunstshow verkappten Gegenveranstaltung Anfang September. Und von der Politik, die den Wert des Kunststandorts Berlin ja so gerne lautstark beschwört, kam zu all dem kein einziges Wort.

Dass sich das 13. Art Forum trotz dieser Querelen und der Finanzkrise ganz ordentlich gehalten hat, ist das Ergebnis einer soliden Vorarbeit. Das ganz große Rad jedoch wird in Berlin nicht mehr gedreht. Sabrina van der Ley braucht das nicht mehr zu kümmern: Sie wechselt als Direktorin zur Hamburger Galerie der Gegenwartskunst. Christina Tilmann

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