Kultur : Fünf Freunde

Leah Goldberg plädiert für Toleranz und Respekt.

Huhn, Kuckuck, Katze und Eichhorn leben in einem Turm friedlich zusammen, doch im fünften Stock ist noch eine Wohnung frei. Die würden sie gerne vermieten. Doch die potenziellen Mieter haben es in sich. Sie finden zwar die Wohnung schön, doch die Nachbarn fürchterlich. Das Huhn ist der Ameise zu fett und zu faul, sie lehnt ab. Auch die Häsin lehnt mit Verweis auf die Nachbarn das Wohnungsangebot ab: „Frau Kuckucks Einfluss wäre denkbar schlecht. Eine Mutter, die ihre Kinder verlässt?“

Leah Goldberg (1911–1970) erzählt in ihrem Kinderbuch von den Vorurteilen der potenziellen Mieter, mal ist es der Lebensstil, mal die Hautfarbe, mal vermeintlicher Lärm. Erst die Taube mäkelt zwar ein wenig an der Wohnung herum, doch ist ihr die Gesellschaft der Nachbarn wichtig und für jeden findet sie lobende Worte.

Leah Goldberg weiß, wovon sie schreibt. Sie wurde in Königsberg geboren und hatte in Russland und Litauen gelebt, dort und auch in Deutschland studiert, bevor sie 1935 nach Palästina emigrierte. Sie wurde eine bedeutende Persönlichkeit im literarischen Leben Israels und eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen des Landes. Ihr von Nancy Cote illustriertes Bilderbuch – in Israel längst ein Klassiker – ist nun als erstes im neuen jüdischen Ariella Verlag in Berlin erschienen – ein humorvolles, doch eindringliches Plädoyer für Toleranz. Heute notwendiger denn je. R.B.

Leah Goldberg: Zimmer frei im Haus der Tiere. Aus dem 

Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler. Illustriert

von Nancy Cote. Ariella Verlag, Berlin 2011. 32 Seiten 14,90 Euro. Ab drei Jahren

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