• Fünfzehn jungen Berliner Künstler stellen ihre Werke zu den Plastikfiguren in der Galerie Schwarzenberg aus

Kultur : Fünfzehn jungen Berliner Künstler stellen ihre Werke zu den Plastikfiguren in der Galerie Schwarzenberg aus

Ines Altenrath

Zu Barbies vierzigsten Geburtstag meldeten sich in diesem Jahr wieder die Kritiker zu Wort: Der Umgang mit der hyperschlanken Puppe mache aus heranwachsenden Mädchen Tussi-Frauen und magersüchtige Opfer. Also Kopf abreißen und in die Ecke werfen! Mit einem Playmobil-Püppchen hingegen würde sich das niemand trauen. Die kleinen Plastikfiguren feiern diese Tage ihren 25. Geburtstag und man kann ihnen einfach nichts Schlechtes nachsagen. Bedeutet dies auch, dass bei einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Playmobil nichts Kritisches herauskommen kann? Bei "Playart!" in der Galerie Schwarzenberg (Rosenthalerstraße 39, bis 18. September) sieht es ganz danach aus: Die ausgestellten Exponate sind so bunt und gefällig, wie die kleinen Männchen in ihren Indianer- und Krankenschwesterkostümen. In den Arbeiten der fünfzehn jungen Berliner Künstler findet sich kaum bildliches oder gedankliches Abstraktionsvermögen. Alle zeigen das selbe Motiv, wenn auch mit unterschiedlichen formalen Mitteln: Philip Grözinger läßt auf einem verschwommenen Digitalprint die Kleinen zu Dritt kopulieren. Fehmi Baumbach nutzt die Figuren ebenfalls nur, um die Realität nachzuspielen. Ihre Puppenstuben-Installation gibt eine Vernissage der Galerie BerlinTokyo wieder. Die unzähligen Püppchen mit Knetgummifrisuren sollen den damals Anwesenden nachgebildet sein, die sie auch namentlich benennen kann. Das ist kein Kunstwerk, zeigt aber die Künstlerin als Kennerin der Kunst-Off-Szene. Sebastian Mayer machte nicht aus Puppen Personen, sondern gravierte per Fotomontage unter ein paar menschliche Füße das Copyright von Playmobil. Damit macht er den menschlichen Körper zum seriellen Produkt. Das erinnert irgendwie wieder an Barbie.

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