Kultur : Für das Überragende einsetzen

Eine Stellungnahme zum Streit um das Kulturforum/ Von Edgar Wisniewski

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Unter der Überschrift „Nur kosten darf es nichts“ war im Tagesspiegel vom 30. März zu lesen, der Senat von Berlin habe einen Senatsbeschluss zum Kulturforum gefasst, dem eine Senatsvorlage von Senator Strieder und ein Plan mit der Begründung des Senatsbaudirektors zugrunde lagen.

Weder die erste Senatsvorlage am 24. Februar noch die Abänderung am 16. März 2004 hat der Senat „beschlossen“ – er hat sie lediglich zur Kenntnis genommen.

Zur Erinnerung: Das Abgeordnetenhaus hat am 1.Juli1999 „Die Vollendung des Kulturforums auf der Grundlage der städtebaulichen Planung von Hans Scharoun...“ beschlossen. Statt der Umsetzung geschah nun, nach fast fünfjähriger Verzögerung, das Gegenteil: Der Senatsbaudirektor arbeitete – nahe dem Ende seiner Amtszeit – unter Mitwirkung von drei Architekturbüros einen Plan aus, mit dem Scharouns weitgehend verwirklichte städtebauliche Planung nach dem preisgekrönten Wettbewerb entstellt werden würde.

Mit Hochhaustürmen wird das individuell geprägte Gebäude-Ensemble der Philharmonie bedrängt und das geplante zentrale, privat finanzierbare Künstler-Gästehaus – mit den vielfältigen Einrichtungen der Infrastruktur – durch drei beliebig austauschbare Wohnblocks mit Seitenflügeln und Höfen beseitigt.

In dem vorgenannten Artikel wird unrichtig behauptet, dass das Künstler-Gästehaus „unter meinen Plänen zu einem multifunktionalen Kongressgebäude anschwoll“. Weder während der achtjährigen gemeinsamen Planung mit Scharoun nach dem Wettbewerb noch nach seinem Tod habe ich im Kulturforum ein „Kongressgebäude“ geplant.

Falsch ist auch die Behauptung zum Kammermusiksaal, „den Scharoun vor seinem Tod 1972 weitaus kleiner skizziert hatte“.

Scharouns einzige Skizze zum Kammermusiksaal entstand bereits 1968 nach meinen vorhergehenden konzeptionellen Planungen für einen Zentralraum mit drei Raummusik-Emporen; auf dieser Skizze basierte auch das Raumprogramm des Auftraggebers. Diese Skizze blieb für meine Planung nach Scharouns Tod eine Leitidee, an der ich die Entwurfsplanung nach akustischen Weiterentwicklungen orientierte.

Ich habe meine Planung nicht als „Mitarbeiter“ (eines nicht mehr existenten Büros), sondern als Architekt und Partner der ehemaligen Architektenarbeitsgemeinschaft Scharoun/Wisniewski entwickelt, mit deren Gründung Scharoun die Fortführung des gemeinsam begonnenen Werks im Kulturforum sichern wollte.

Seit der schwierigen Durchsetzungsphase um den Bau der Philharmonie habe ich den erbitterten Widerstand einzelner Mitarbeiter aus der Verwaltung – unter Mithilfe von Architekten – gegen Scharouns Werk erlebt. Immer waren es nur einzelne Persönlichkeiten, die sich nach den Beschlüssen des Parlaments für die Verwirklichung des Außergewöhnlichen und Überragenden einsetzen.

Hans Scharoun hat das Recht, dass auch die städtebauliche Planung für das Kulturforum mit dem Schlussstein des Künstlergästehauses vor Entstellungen geschützt und in seinem Sinne vollendet wird.

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