Kultur : Für ein paar Pesos mehr Kino aus Brasilien: die satirische Komödie „Domesticas“

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Wenn die Welt gerecht wäre, dann läge ihr Herz vielleicht in Sao Paulo, und Hausmädchen wären ihre Heroen. Und wer einmal den Erdenweg als Hauspersonal durchschritten hätte, wäre im nächsten Leben mindestens ein anständiger Millionär mit Pool und Benz. Doch die Welt, sie ist nicht so nett – erst recht nicht zu Leuten, die arm sind, dunkelhäutig und vielleicht Frauen noch dazu. Allzu viele Möglichkeiten bleiben da nicht, das Leben zu bestreiten. Für andere zu bügeln und putzen kann da schon eine der seriöseren sein.

Je größer der soziale Abstand, sagt manch neoliberaler Wirtschaftsgott, desto besser für die Ökonomie. Der Traum von der sozialen Gleichheit sei etwas für Ignoranten und Idealisten. Denn wer sollte den einen Teil der Bevölkerung für ihre Dienste bezahlen, wenn nicht der andere Teil, der bedeutend mehr besitzt. Wenn dem so wäre, dann wäre Brasilien vielleicht das ökonomische Paradies. Denn die soziale Spanne ist so groß wie die Dienstleistungsbereitschaft.

Quitéria und Cida, Raimunda und Roxanne sind Hausangestellte, wie es sie in Lateirika in fast jeder Mittelstandsfamilie gibt. Quitéria stellt sich so dumm an, dass sie jede Woche neu auf Stellensuche gehen muss. Cida träumt von einer Karriere als Model und landet für ein paar Pesos in einem fremden Bett. Raimunda träumt von der großen Liebe. Und Roxanne tauscht ihren Ehemann gegen einen Liebhaber ein, der sich nach anfänglichem Feuer bald ebenso leidenschaftlich dem Müßiggang hingibt wie der Gatte, der daheim langsam vor dem Fernseher vergammelt.

„Domesticas“ – Regie führten Fernando Meirelles und Nando Olival nach einem Buch von Renata Melo – ist eine satirische Komödie, die sich spaßeshalber als Dokumentation verkleidet. Ein Dienstmädchenroman, der eine Handvoll höchst unterschiedlicher Schicksale zu einem Reigen zusammenführt, der nie den Boden unter den Füßen verliert. Echte Kolportage, doch immer knallnah dran am Leben, wie es spielt. In interviewartigen Zwischenblendungen kommen die Domesticas auch selbst zu Wort. Nur die Herrschaft kommt allenfalls als Reflex im Klatsch ihrer Angestellten vor. Und das ist auch gut so. Brasilianische Verhältnisse wird es aus Gründen weltökonomischer Machtverteilung bei uns wohl auch in Zukunft nicht geben. Doch wenn erst jede polnische Putzfrau ihre eigene „Ich-AG“ bildet, kommen auch wir um die Dienstbotenfrage nicht herum. Silvia Hallensleben

In Berlin im Kino Eiszeit (OmU)

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