Kultur : Für immer seltsam

KERSTIN DECKER

Es ist unmöglich, mit Leuten zu verkehren, die Jack Lemmon und Walter Matthau nicht mögen.Jack Lemmon und Walter Matthau sind eine Weltanschauung.Ihr schönster Film war wohl ihr erster gemeinsamer, "Ein seltsames Paar" (1967) von Gene Saks.Seitdem gibt es das vielleicht bedeutendste Subgenre der Komödie, den Walter-Matthau-und-Jack-Lemmon-Film.An Matthau läßt sich erkennen, daß man es mit gnadenloser Rücksichtslosigkeit und größtmöglichem Sarkasmus weit bringen kann im Leben, was eine beruhigende Nachricht ist.Und Lemmon gibt uns Rückendeckung für den Fall, daß es nicht funktionieren könnte - auch Verlierer werden geliebt, ja sie besonders, eigentlich nur sie.Verlierer sind wahnsinnig schöne Menschen, ganz tief innen jedenfalls, Traurigkeit ist schön, Selbstmord ist schön.Es kann nichts mehr passieren.Um solcher Gewißheiten willen gehen wir doch alle ins Kino.

Anfang der Neunziger kam nach fast dreißig Jahren die Fortsetzung von "Ein seltsames Paar".Sie hieß "Ein verrücktes Paar" und enthielt die befreiende Botschaft, daß das Alter dem Sarkasmus nichts anhaben kann und der Liebe auch nicht.Es war kein genialer, aber ein schöner Film, und er hatte das Unglück, erfolgreich zu sein.Also drehte man noch eine Fortsetzung.Die nunmehr letzte heißt "Out to Sea", was der deutsche Verleih mit dem schönen Titel "Tango gefällig?" zu übersetzen wußte und was insofern kongenial ist, weil es den Doris-Day-charmant-aber-bieder-Ton dieser Komödie von Martha Coolidge genau trifft.Der einzige Trost hier sind Matthau und Lemmon.Beide noch älter geworden, aber Matthau pokert noch genauso gut wie vor dreißig Jahren.Er darf auch viel öfter "Fuck!" rufen, was früher nicht erlaubt war und womit alte Männer heute beweisen, daß sie ganz auf der Höhe der Zeit sind.Wenn Matthau einer Frau hinterherschaut und sagt: "Was für ein Arsch! Es ist eine Schande, daß sie darauf sitzen muß!", ist man beruhigt über die unveränderte Prägnanz seiner Wahrnehmung.Auch Lemmon wird irgendwie immer schöner mit den vielen, vielen Jahren.Wahrscheinlich sind der böse Witz eines Menschen und seine Liebe das einzige, was nicht altert an ihm."Tango gefällig?" ist der Preis, den wir zahlen müssen, "the odd couple" wiederzusehen.

Machen wir es kurz: Matthau kommt zu Lemmon, seinem Schwager, und hat zwei Karten für eine Kreuzfahrt.Lemmon will nicht, er ist traurig, seine Frau ist tot.Aber da melancholische Menschen nichts schwerer ertragen als die überbordende Lebenslust ihrer Umgebung, vor allem, wenn sie gerade zwei Kreuzfahrt-Tickets besitzt, gibt er nach.Die Tickets waren sehr billig, sozusagen Personal-Tickets.Für alle, die bei der Bordkapelle angestellt sind und sich um die alten Damen kümmern, die immer solche Kreuzfahrten machen.Aber das weiß Lemmon noch nicht, auch nicht, daß sie in diesem Dampfer ganz unten wohnen, da, wo keiner mehr rauskommt.Ja, wie hätte er, Matthau, denn sonst diesen Luxusliner bezahlen sollen? Und ein Luxusliner mußte es bitteschön sein, denn Matthau hat auch noch nie im Leben eine Millionärin geheiratet.Es ist leichtfertig, und das gilt für grundsätzlich für alle Männer, seinen Hut zu nehmen ohne vorher eine Millionärin geheiratet zu haben.

In 8 Berliner Kinos

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