Kultur : Für sich selbst

UWE FRIEDRICH

Die Mannheimer Hofkapelle wurde von Zeitgenossen mit einer Armee von Generälen verglichen, wo die musikalische Frühklassik entwickelt wurde.Mit präzise gedrilltem Spiel brachten sie neues Leben in die galant-gezierte Musikwelt.Lange Töne werden aufgebrochen in vibrierende Tremolofiguren, himmelstürmende Ausbrüche wechseln mit schroffen Harmoniewechseln.Dennoch müssen diese disparaten Mittel zu einem eleganten Ganzen verschmolzen werden.Damit hatte das Freiburger Barockorchester im Kammermusiksaal der Philharmonie durchaus Probleme.Trotz engagierten Spiels wollte der Ton nicht nervös beben, sondern erschöpfte sich bereits in den eröffnenden Werken, einer originellen Ouvertüre sowie einer Sinfonie von Franz Ignaz Beck, in zielloser Motorik.Kaum wird spürbar, daß die kleinteiligen Effekte auch Bedeutung tragen.Unter dem Konzertmeister Gottfried von Goltz bleiben Ton und Linie zu wenig fokussiert, als daß die formalen Bezüge deutlich werden könnten.Wenn aber die Entwicklungen, Spannungsaufbau und -auflösung nicht hörbar werden, dann verfliegt gerade das historisch Neue dieser Werke.Das Cellokonzert A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach leidet zudem unter dem zu kleinen Ton des Solisten Guido Larisch.Da will nichts aufblühen, der Ansatz knirscht gelegentlich gefährlich.So kann der eigentliche Charme des Werks nicht deutlich werden, der sich abspielen sollte zwischen Kantilenenbruchstücken und bewußt vom Komponisten nicht erfüllter Hörerwartung.In der Cis-moll-Sinfonie von Joseph Martin Kraus und in Joseph Haydns Abschiedssinfonie fällt vor allem das inhomogene Spiel der ersten Geigen auf, die weit entfernt sind von der gedrillten Brillanz der Mannheimer Kapelle.Der Gesamtklang changiert zwischen routiniert und zu wenig geprobt, als spielte das Orchester immer nur für sich selbst und kümmerte sich kaum um die Wirkung im Saal.

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