Kultur : "Functional Food": Gaumenkitzler

Bernd Matthies

Was haben wir nicht schon alles hinuntergeschluckt an den Imbissbuden dieser Welt! Altes Fett und obskure Mayonnaisesalate, klebrigen Ketchup und überlagerte Tiefkühlware. Doch jetzt geht es um die Wurst. Ein aktueller Standardscherz der Branche erklärt, zu einer anständigen Bockwurst brauche es nur drei Dinge: Wasser, Eis und Separatorenfleisch. Wäre nicht die blöde BSE-Welle, ließe sich sagen: Das ist die Ernährung der Zukunft - Maschinen, die von Kuh und Schwein auch nicht das kleinste Fitzelchen ungenutzt lassen, die noch aus dem letzten harten Schwanzknorpel einen fluffigen Gaumenkitzler aufschäumen. Nun ist Schluss, und die Situation erinnert an das Geständnis jenes sprichwörtlichen Winzers, der seinem Sohn auf dem Sterbebett zuflüstert, Wein könne übrigens auch aus Trauben hergestellt werden.

Hoffen wir, dass noch genügend Fleischer wissen, wie man Wurst aus Fleisch - vorzugsweise bis auf Weiteres vom Schwein - macht, hoffen wir, dass sie nicht wieder von den Preisdrückerkolonnen der Supermarktketten in Versuchung geführt werden. Dann könnte es bald einmal wieder Spaß machen, eine Currywurst zu essen. Aber nicht zu viele. Denn es ist viel wahrscheinlicher, an den Folgen von Fett und Zucker und Salmonellen und anderen traditionellen Beimengungen der Wurstbuden-Kultur zu sterben, als an den rätselhaften Prionen aus dem Kopf der Kuh.

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