Kultur : "Functional Food": Genießen ist gut

Haben wir Deutschen eigentlich einen Sinn für

Der 71-Jährige Reinhold Bergler ist emeritierter Psychologie-Professor und gründete das Nürnberger Institut für Genussforschung.



Haben wir Deutschen eigentlich einen Sinn für die Sinnlichkeit des Essens?

Ja, sogar immer mehr. Die Menschen werden sensibler fürs Genießen. Allerdings glauben nur 25 Prozent der Deutschen, dass sie Genießer sind. Weitere 40 Prozent würden gern besser genießen können und erleben das als Defizit etwa gegenüber Italienern und Franzosen.

Woher kommt dieses Unvermögen?

Das hat was mit den Puritanern zu tun. Dass Genießen eigentlich Sünde ist, steckt bei vielen noch so drin. Einige muss man deshalb erst wieder ans Genießen heranführen.

Und wir sind auch zu wenig positiv motiviert. Einem Kranken zum Beispiel sagen die Ärzte nur, was er alles nicht essen und trinken soll, aber nicht, welchen Versuchungen er ruhig nachgeben darf.

Gibt es beim Genuss einen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Oh ja. Fragen Sie einen Mann, was zu einem guten Essen gehört, so sagt er: sechs Gänge. Eine Frau dagegen sagt: ein schön gedeckter Tisch, prächtiges Geschirr, Kerzen - Frauen genießen mit allen Sinnen. Sie denken ganzheitlicher, genießen auch Kleinigkeiten.

Aber sie bekommen auch schnell ein schlechtes Gewissen.

Frauen kasteien sich viel zu sehr. Sie nehmen mit Genuss einen Bissen und verlieren dann vor schlechtem Gewissen den Genuss. Dabei muss man sich von all den Verboten und Reglementierungen frei machen. Es hat doch ohnehin jeder Ernährungswissenschaftler seine eigene Diät.

Gesund ist ewiges Hadern wohl auch nicht?

Im Gegenteil. Genießen ist gut für das Immunsystem und für das Wohlbefinden.

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