Kultur : Funkel-Mosaik

Ingo Metzmacher und sein DSO in der Philharmonie

Frederik Hanssen

Es sollte ein heiteres Konzert als Saisonausklang werden, mit Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“-Komödie – und es wurde eine bitterernste Angelegenheit. Seit Herbst 2007 ist Ingo Metzmacher Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters, Presse und Publikum haben den charismatischen Hannoveraner schnell schätzen gelernt als den derzeit wohl interessantesten deutschen Maestro neben Lothar Zagrosek, der das Konzerthausorchester Berlin leitet. Metzmachers eigene Musiker dagegen vermochten sich nur bedingt mit dem Stil ihres neuen Chefs anzufreunden. Weil der statt des ihm angebotenen Fünf- nur einen Drei- Jahres-Vertrag unterschrieben hat und die Planungszeiten im Klassik-Business lang sind, kam dem Konzert am Freitag in der Philharmonie eminente Bedeutung zu: als Test, ob es eine weitere Zusammenarbeit mit dem DSO über den Sommer 2010 hinaus geben soll.

Herrlich rauscht der edelmetallische Klang des Orchesters in der „Oberon“Ouvertüre auf, schwerelos in den virtuosen Violinläufen, honiggolden in den sehnsüchtigen Kantilenen. Ingo Metzmacher wirft sich mächtig ins Zeug, lässt die Arme fliegen, legt sich in die harmonischen Kurven, federt elastisch in den Knien – mit deutlicher Tendenz zum overacting. Die Anspannung ist deutlich zu spüren, Webers Orchestervorspiel bleibt darum ein Mosaik funkelnder Details, erst beim zweiten Satz von Hans Werner Henzes achter Sinfonie gelingt es dem Dirigenten schließlich, seinen inneren Puls auf das Orchester zu übertragen.

In Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“-Schauspielmusik zeigt Ingo Metzmacher Charakter, treibt der Partitur alle Märchenromantik aus, kreiert einen deftigen, lebensprallen Sound, ideal für authentische Aufführungen in Shakespeares globe theatre. Die finalen Verse des Komödienklassikers, die Salome Kammer in biedermeierlicher Melodramatik deklamiert, möchte man dabei auch Ingo Metzmacher für seine nächste Berliner Saison zurufen: „Friede sei in diesem Schloss, und sein Herr ein Glücksgenoss’!“ Frederik Hanssen

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