Kultur : Funkenflug

Barock-Avantgarde: das Ensemble Oriol in der Philharmonie

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Alte Musik lässt man sich nur zu gern gefallen, wenn sie auf solch hohem Niveau neue Anziehungskraft gewinnt wie im Konzert des Ensemble Oriol im Kammermusiksaal der Philharmonie. Und wenn dann auch noch Anton Webern zu hören ist und Karl Amadeus Hartmann mit seiner 4. Sinfonie sogar das letzte Wort hat, dann dürften auch die anspruchsvollsten Musikfreunde zufrieden sein.

Die geigerischen Glanzpunkte setzte Petra Müllejans, die Leiterin und Solistin des Freiburger Barockorchesters. Sie hatte auch die Einstudierung der alten Werke übernommen. Sogleich bei den „Ballettae“ für Streicher von Ignaz Biber, dem frühbarocken „Avantgardisten“ aus Salzburg, begeisterten der große gestische Schwung, den Petra Müllejans vorgab, aber auch die tänzerische Mobilität und Schwerelosigkeit, die kompromisslos klare und homogene Spieltechnik. In den waghalsigen Kapriolen und pikanten Klangspäßen erwiesen sich Bibers Tanzstücke als regelrechte Kabinettstückchen. Auch das Violinkonzert g-moll von Johann Georg Pisendel, dem von Bach hoch geschätzten Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle, dürfte für die meisten eine Erstaufführung gewesen sein. Was es mit seiner empfindsam redenden und nicht selten nach italienischer Art bravourös überredenden Musik auf sich hat, davon gab Petra Müllejans ein fesselndes Bild.

Sie ist eine Barockgeigerin der besonderen Art – mit einem Hang zu Klezmer, Tango und Csardas! Auch den Pisendel geigte sie mit allen finessenreichen Verzierungen stilistisch lupenrein, allerdings mit einem funkensprühenden Feuer sondergleichen. Das artistische Moment überwiegt in den rasanten Ecksätzen freilich so sehr, dass der individuelle Klangzauber in den Hintergrund tritt.

Anton Weberns Fünf Stücke op. 5 kamen unter der Leitung von Sebastian Gotschick in einer mal aufwühlenden Intensität, mal traumhaften Stille daher. Eine ausgereifte und zugleich ergreifende Leistung. Eckart Schwinger

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