Kultur : Funky Imitat

„Motown – Die Legende“ im Ku’dammtheater.

von
Five Tops. Das Gesangsensemble der Show zum Label. Foto: Promo/Dietrich Dettmann
Five Tops. Das Gesangsensemble der Show zum Label. Foto: Promo/Dietrich Dettmann

Gute Musik kann niemals lügen. Nicht wenn sie gekonnt, live, mit Herz gemacht ist. Das denken sich auch Musical- und Musiktheatermacher und überschwemmen das Land mit immer neuen Shows über Leben und Werk von xy mit ganz viel Musik von xy. Manchmal auch nur mit ganz viel xy-Musik in einer angeklebten Rahmenhandlung. Millionenseller als Motto- und Medleyshow. So geschehen beispielsweise den Comedian Harmonists, Judy Garland, Johnny Cash, Mahalia Jackson oder auch den Beatles, Udo Lindenberg, Abba und jetzt eben einem Label: Motown, Berry Gordys legendärer R’n’B-Hitfabrik, 1959 gegründet in Detroit, der Autostadt, der Motortown – daher die Ableitung „Motown“. Das ist nur eins von vielen mit noch mehr Musik eingefassten Infotainmenthäppchen über Macher und Musik, das in „Motown – Die Legende“ im Theater am Kurfürstendamm moderativ über die Rampe geht.

Die fünf Musiker, zwei Sängerinnen und drei Sänger, die die Produktion des Theaters Essen und des Tourneetheaters Landgraf aufbietet, um den eleganten Mainstream-Soul der Supremes, Temptations, Four Tops, von Martha Reeves oder Stevie Wonder wiederzubeleben, verstehen ihr Handwerk. Besonders die Soulröhre Lana Turner und der samtige Bariton Wilson D. Michaels machen Eindruck. Nach der Pause lassen sie dann auch die davor von Regisseur Andrew Hunt schlecht angetäuschte Geschichte einer heutigen Musikerprobe für eine Motown-Gala fahren und feuern einen der sagenhaften 110 Top-Ten-Hits nach dem anderen ab. Mit der räumlichen Bühnenerweiterung durch eine Showtreppe gewinnt der flache, gequetschte Mikroport-Sound plötzlich an Facetten, an Tiefe. Das Typen- und Stimmencasting der Musicaldarsteller ist gelungen, auch die für die kleine Bühne ausgelegte Tanzchoreografie. All-Time-Favorites wie „Superstition“ oder „Ain’t No Mountain High Enough“ fahren in den Bauch und in die Beine. Der Abend endet funky mit den Jackson Five. Das Publikum steht auf, klatscht mit, jubelt. Gute Musik kann niemals lügen. Trotzdem hat jeder Motown-Sampler mehr Würde, mehr Wahrheit, mehr Soul als solches Convenience-Soulfood. Gunda Bartels

Theater am Kurfürstendamm, bis 9.2.

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