Kultur : Fußball-Affäre: "Wenn es um Fußball geht, ist die Volksseele milde gestimmt"

Gegen Verkehrsminister Klimmt ist Strafbefehl erla

Dieter Roth ist Leiter der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, die Wählerumfragen organisiert.

Gegen Verkehrsminister Klimmt ist Strafbefehl erlassen worden. Er ist jetzt vorbestraft. Kann sich Schröder in den Augen der Bevölkerung einen solchen Minister leisten?

Puristen werden sicherlich sagen, das dies ein ziemlicher Makel ist. Wenn man sich jedoch ansieht, was dahinter steht, dann ist die Volksseele schon wieder milder gestimmt: Es geht um Fußball, es geht um die Rettung eines Vereins. Es geht nicht darum das sich ein Politiker selbst bereichert hat.

Helmut Kohl hat sich auch nicht selbst bereichert.

Aber die Materie war eine ganz andere. Bei Kohl ging es um die Finanzierung von Wahlkämpfen, um den Machterhalt. Bei Klimmt geht es um Fußball. Das ist ein Volkssport.

Bundeskanzler Schröder ist also nicht unter Zugzwang?

Nein, es schadet dieser Regierung nicht, wenn Herr Klimmt im Amt bleibt.

Wie kommt der Koalitionsstreit um die Rente in der Bevölkerung an?

Insgesamt besteht in der Bevölkerung ein relativ hohes Harmoniebedürfnis. Wenn Parteien sich streiten, ist das zunächst einmal nicht zu ihrem Vorteil. Allerdings muss mann unterscheiden: Bei den konservativen Parteien ist das ein sehr viel wichtigeres Moment als bei Parteien links von der Mitte. Insbesondere bei den Grünen ist die Diskussion und zum Teil auch der Streit durchaus etwas, was die Leute als belebendes Element ansehen und nicht nur negativ beurteilen. Dies gilt für die SPD nur sehr eingeschränkt.

Der Streit nutzt also eher den Grünen?

Das wissen die Grünen und deshalb machen sie es auch. Die Grünen müssen nicht Gesamtbevölkerung ansprechen, sondern ihre Klientel. Dahinter steckt: Es wird hier schon um die Verdienste dieser Koalition gerungen im Hinblick auf die Bilanz am Ende.

Ist das nicht ein bischen früh, wir sind doch erst in der Mitte der Legislaturperiode?

Das ist relativ früh. Die Bevölkerung bereiten sich jetzt noch nicht auf die Wahl von 2002 vor. Wenn die Parteien dies schon tun, sind sie dem Terminplan etwas voraus.

Können die Leute der andauernden Rentendiskussion denn übrhaupt noch folgen?

Die Leute können den Einzelheiten nicht mehr folgen. Sie notieren hauptsächlich den Parteienstreit. Sie sind sehr, sehr vorsichtig in ihrem Urteil darüber, ob es wirklich um die Sache geht.

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