G 20 in der Elbphilharmonie : Auch böse Menschen haben Lieder

Streit um das geplante Konzert für die G20-Staatsschefs: Musiker dürfen sich nicht zur Dienern der Großpolitik machen, so der EKD-Kulturbeauftragte. Hochkultur geht ohne Liebedienerei, so der Präsident des Tonkünstlerverbands.

Polizisten vor der Elbphilharmonie in Hamburg. Der G20-Gipfel findet am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg statt. Rund um die Elbphilharmonie wird es Sicherheitszonen geben.
Polizisten vor der Elbphilharmonie in Hamburg. Der G20-Gipfel findet am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg statt. Rund um die...Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Der Präsident des Deutschen Tonkünstlerverbandes, Cornelius Hauptmann, hat das geplante Konzert zum G-20-Gipfel am 7. Juli in der Hamburger Elbphilharmonie verteidigt. „Die Einstellung, dass man ‚bösen‘ Menschen – denn unter den G-20-Staatschefs mögen einige Autokraten sein – keine Hoch- und Höchstkultur bieten sollte, weil es deren Selbstbespiegelung dienen könnte, ist falsch“, schreibt Hauptmann in der aktuellen „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“.

Damit reagiert er auf einen Beitrag des EKD-Kulturbeauftragten Johann Hinrich Claussen, der dort in der letzten Woche davor gewarnt hatte, die Elbphilharmonie „umstandslos zur Bühne für die Mächtigen dieser Welt“ zu machen. Auch Musiker hätten ihre Freiheit zu behaupten, sie dürften sich nicht zu Dienern der „Großpolitiker“ machen lassen, schrieb Claussen und stellte die Frage, welche Werke man Staatsmännern wie Trump, Erdogan oder Putin zu Gehör bringen wollte. Der Theologe schlug vor, für das Konzert unter Leitung von Kent Nagano Komponisten auszuwählen, die „einen Widerstand markieren“. Dagegen schreibt Hauptmann, auch Musiker sollten die Offenheit unserer Kultur nutzen, um zu zeigen, dass es möglich sei, „Hochkultur zu bieten, ohne liebedienerisch oder affirmativ der Politik gegenüber aufzutreten“.

Das Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters ist auf ausdrücklichen Wunsch von Kanzlerin Merkel anberaumt worden. Das Programm ist bisher nicht bekannt. Für den 7. Juli, den ersten Tag des Gipfeltreffens, ist außerdem ein Abendessen der Staatsgäste in der im Januar eröffneten Elbphilharmonie geplant, voraussichtlich im Kleinen Saal. Tsp

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