Kultur : Galerie Giti Nourbakhsch: Der Künstler als Heimwerker

Claudia Wahjudi

Mit Platz geht Bernd Krauß sparsam um. Gemälde und Zeichnungen verteilte der 33-jährige Berliner Künstler in der Galerie Giti Nourbakhsch auf nur zwei Wänden; Eine Skulptur aus Holz und Metall ragte in der Raummitte auf, und weiter hinten balancierte ein Tischrahmen auf einem Baumstumpf. Die rechte Wand blieb leer. Dass er weit mehr aufhängen könnte, wenn er wollte, demonstriert der Variationsreichtum seiner Exponate: abstrakte Malerei in dunklem Lack auf Holz (je 4000 Mark), Kugelschreiberzeichnungen auf Papier (ab 1000 Mark), Filzstiftzeichnungen auf Kartons, die von Plexiglas umhüllt zu Objekten werden (je 3500 Mark), sowie ein Wandbild in Wasserfarben (6000 Mark). Alles ist möglich, nichts muss perfekt sein. Ende Juli räumte Krauß den Raum ganz leer. Seine Arbeiten stapeln sich jetzt in der Abstellkammer der Galerie auf zwei mal zwei Metern zu einer klaustrophobischen Installation. So, wie sich am Computer Dateien immer wieder anders gruppieren lassen, so ordnet Krauß seine Werke nach immer neuen Gesichtspunkten: nach Farben wie Grün oder Braun oder eben nach den Maßen des Raums. Krauß, der Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation studierte, geht es um eine Systematierung der Wirklichkeit. Seine Vorgehensweise hat dabei den Charakter von Heimwerkerarbeiten - den Baumstumpf der Skulptur hat er von Hand geschält. Krauß malt Playboy-Centerfolds mit Buntstift ab und kopiert Zeitungsartikel mit Kugelschreiber. "Hobbyismus" nennt er das. Arbeit um der Arbeit willen - zweckfrei, mühselig und selbstbestimmt. Nach diesem Prinzip macht Krauß auch Theater. Die leere Galerie nutzt er für gemeinsame Proben mit Schauspielerfreunden. Jedes Wochenende zeigt er ein neues Stück. Den Auftakt machte die Dreimannkomödie "Älterer Herr sucht Begleiting", frei nach Marianne Scheers nur fast gleichnamigem Roman aus den fünfziger Jahren. Zur Sonntagsmatinee im Hinterhof kamen genau vier Gäste, um zuzuschauen, wie sich der Künstler das lebensgroße Bild eines Pinup-Girls umhängte und so zur Hauptdarstellerin wurde. Ein Mitspieler ging auf die Knie, um den Hund des älteren Herrn zu mimen, und selbst Susi, die Dogge der Galeristin, spielte mit. Die Performance wird bei Krauß zum Zitat, das ein bisschen Dada enthält, einen fröhlichen Verweis auf die sechziger Jahre und viel Ironie: Mit dieser Strategie entzieht sich Krauß Stil- und Genre-Diskussionen und plädiert für so etwas wie "Optionismus". Ab August führt er Tanztheater auf.

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