Kultur : Galerie Hartmann + Noé: Anmut des Stahls

Michael Nungesser

Selten sind musikalische Anspielungen bei plastischen Arbeiten so augenfällig wie in den Reliefs von Gisela von Bruchhausen: Das Zusammenspiel der geometrischen Teile, aus denen die direkt auf der Wand hängenden Arbeiten bestehen, weist unterschiedliche Bewegtheit und Rhythmik, Stimmung und Intensität auf. Aus dem Verschieben, Verdrehen und Verbinden der einzelnen scharf konturierten Elemente ergeben sich vielfältigste Kompositionen. Ein sinnliches Erlebnis, das durch den Einsatz von Farbe noch gesteigert wird.

Anmut und Leichtigkeit der Werke lassen nicht vermuten, dass sie stählern sind. Gisela von Bruchhausen, 1940 in Berlin geboren, gehörte 1982 zu den Gründungsmitgliedern der Bildhauergruppe ODIOUS, die aus Schrott Kunst machte, aber schon damals setzte sie mehr als die anderen auf Eleganz und Strenge. Fundstück und Rost sind inzwischen verschwunden, geblieben die Liebe zum Stahl und die Neigung zu Einfachheit. Von Bruchhausen verwendet Bleche, Rund-oder Vierkantstangen aus Stahl, die sie verzinkt und bemalt oder mit Acrylglas kombiniert. Geschnitten, gebogen und geknickt, werden die einzelnen Teile verschraubt - erkennbar, aber dezent. Grundform ihrer Reliefs ist das Rechteck, das sie aufbricht und nach außen öffnet. Einzelformen ragen darüber hinaus wie in "Nachklang" (13 000 Mark). In "Allegro" (22 000 Mark) erscheint das Gleichmaß der Außenkontur schon aufgehoben zu sein, doch am stärksten wird die Grundform bei "Jam Session" (28 000 Mark) und "Tokkata" (32 000 Mark) erweitert und auf flächige oder rahmenartige Formen reduziert. Von Bruchhausen erreicht hier höchste Verschränkung farblicher Kontraste und formaler Vielfalt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben