Kultur : Galerie Inga Kondeyne: Die Philosophie vom Sofakissen

Katja Reissner

In der Galerie Inga Kondeyne gilt es derzeit für den Besucher nicht über den "Lichtschein" von Ka Bomhardt zu stolpern. Womöglich steuert er sogleich auf das verglaste Bildobjekt mit den schütteren Kreidelinien auf Tafelfarbe zu und übersieht das merkwürdige Objekt davor. Während das Bild Licht und Schatten absorbiert, materialisiert sich der Lichtstrahl als bemalter Gipssockel am Lampenschirm einer Scharnierleuchte. Hier ist nicht ausgemacht, wo das Licht beginnt und der Schatten endet.

Ka Bomhardt ist eine Meisterin darin, Interieurs zu gestalten und gewohnte Positionen der Dinge des Lebens zu versetzen. Was hat die Kaffeekanne auf dem Boden zu suchen; und warum verschwindet eine Deckenleuchte in der Wand? Der Betrachter muss seine Bezugspunkte in diesem Spiel selber setzen. Die Beschaffenheit von Gegenständen und ihre Oberflächen verselbstständigen sich in Bomhardts Werken. So hat die Kaffeekanne braune Valeurs, als sei der Kaffee durch das Porzellan getreten und habe sich dazu in einem Hintergrundbild als Tapetenmuster etabliert. Das Porzellan wurde jedoch als "Objet trouvé" vorgefunden, einschließlich der dunklen Stellen seiner zerstörten Glasur. Mit Pastellfarbe modelliert die Künstlerin Schattierungen als Hintergrund für grafische Strukturen. Dabei kann sich schon einmal eine Schlaufe aus dem Format heraus schlingen; oder neben einem Pastell vom Plüsch eine veritable Probe zum Betasten herausfordern. Die geschaffene Bühne zerfällt in Szenarien und wird zum Assoziationshintergrund für verschiedene Stimmungslagen - so trägt das gemalte Sofakisssen vor der ähnlichen gemusterten Tapete den Titel "Trost" (Preise auf Anfrage). In letzter Stufe hat sich Ka Bomhardt entschlossen, ihre Gegenstände wieder in das Bildformat zurückzuverlegen, wobei die Fragmentierung der Ebenen neu zusammengeführt und über Kreuz gesetzt wird. Eine mädchenhafte Gestalt wird vom Angriff einer fliegenden Tasse in den Hintergrund gedrängt. Vorne brechen Fehlstellen die Bildoberfläche auf. Sie zeugen davon, dass die Bildillusion ständig gefährdet ist. Weniger die Konfigurationen von Flecken sind es hier, die einst Leonardo Da Vinci in alten Mauern sah, als eher die "Seven Types of Ambiguity", die einem Gemälde von Helen Frankenthaler 1957 den Titel gaben - als fehlfarbig offene Bedeutungsstellen.

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