Kultur : Galerie Kampl: Kunstvoll steigern

Claudia Wahjudi

Zur Eröffnung der Ausstellung kündigten Joachim Blank und Karl Heinz Jeron Arbeiten an, die es noch gar nicht gibt: Das Berliner Künstlerduo hat gemeinsam mit Gerrit Gohlke vom Medienlabor des Künstlerhaus Bethanien ein Konzept entwickelt, dessen Resultat erst im Oktober zu sehen sein wird. Gefordert ist zunächst das Publikum. Im "Public White Cube Projektraum" (PWC), wie die Galerie Mathias Kampl bis Ende des Jahres heißen wird, werden mit Adib Fricke und Peter Friedl zwei Künstler aus Berlin ausstellen - und ihre Arbeiten den Launen Dritter aussetzen. Denn ab Oktober können Interessierte auf der digitalen Auktionsplattform ebay (www.ebay.de) das Recht ersteigern, die Exponate zu verändern.

Die drei Initiatoren erläutern die Regeln auf einer übersichtlichen Homepage (www.projektraum.org), setzen das Mindestgebot bei höchstens 50 Mark an, und wer dem Internet nicht traut, der kann die Galerie beauftragen, in seinem Namen mitzusteigern. Fricke und Friedl wiederum verpflichten sich, ihre Autorenschaft aufzugeben und die Ideen der Meistbietenden auszuführen. Es sei denn, die Vorschläge kollidieren mit den Rechten Unbeteiligter.

Mit diesem Vorhaben verdrehen Blank, Jeron und Gohlke die Konventionen des Kunstmarkts. Dass der Geschmack von Käufern, Auftraggebern und Besuchern Einfluss auf Werke und Ausstellungen hat, ist zwar ein Allgemeinplatz. Gleichwohl hütet ihn der Betrieb wie ein Geheimnis: Nur die Aura der Autonomie macht die Kunst zur Kunstund damit verkäuflich. Blank, Jeron und Gohlke hingegen räumen dem Publikum und seinem Geld jenen prominenten Platz des Urhebers ein, der sonst dem Künstler vorbehalten ist. Erst wenn das höchste Gebot über den Auftrag entschieden hat, werden Fricke und Friedl tätig.

Ohne den Käufer läuft nichts: Er kann das Experiment zum Erfolg bringen oder aber es blockieren. Mit dieser Zuweisung zeigt sich das Initiatorentrio bei aller Vergnüglichkeit dann doch recht pädagogisch. Geradezu schulmeisterlich wäre die Kunstmarkt-Lektion, zielte sie nicht mit ebay auch auf ein unbekanntes und damit unberechenbares Publikum. Da die Auktionsplattform neben Kunst und Antiquitäten auch Autos, Computer und Büromöbel versteigert, ist es durchaus möglich, dass Kunstlaien Gefallen an PWC finden und überraschende Vorschläge machen. Mit der Wahl des digitalen Auktionshauses als Medium beweisen Blank, Jeron und Gohlke aber auch Sinn für Ironie. Schließlich macht der Markt seine Kritik erst möglich.

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